Fairtrade-Blumen und -Pflanzen

So funktioniert der faire Handel

Blumen sind ein beliebtes Geschenk. Gut 90% der Schnittblumen in der Schweiz werden importiert, denn die heimische Blumenproduktion kann die Nachfrage nicht decken. Der Anbau von Blumen und Pflanzen ist ein arbeitsintensives Geschäft: Tausende Arbeitskräfte sind nötig für Aufzucht und Ernte, für das Zuschneiden und Verpacken.

Die Fairtrade-Farmen liegen in Kenia, Äthiopien, Tansania, Uganda, Simbabwe, Ecuador, El Salvador, Sri Lanka und Costa Rica. Für Entwicklungsländer spielt die Blumen- und Pflanzenindustrie eine immer bedeutendere Rolle, denn sie bringt  dringend benötigte Devisen ins Land und bietet tausenden Arbeitskräften einen Arbeitsplatz.

Produktinfos Schweiz

  • Lancierung: 2001
  • Herkunft: Ecuador, Äthiopien, Kenia, Tansania
  • Absatz: 54 Mio. Stiele (2019) - Absatzentwicklung
  • Angebot: Rosen, Nelken, Alstromerien sowie diverse Füllstiele und Schnittgrün in verschiedenen Angebotsvarianten wie Sträusse, Bünde und einzelne Stückrosen

Herausforderungen

Blumen werden in Ländern wie Kenia, Äthiopien, Tansania oder Ecuador angebaut – dies oft­mals zu menschenunwürdigen Bedingungen. Geringe Löhne, keine Schutzkleidung gegen Pestizide, keine festen Ar­beitsverträge und fehlende soziale oder gesundheitliche Absicherungen sind leider keine Seltenheit. Hier setzt Fairtrade ein: Fairtrade stärkt die Rechte von Beschäftigten auf Blumenfarmen und schützt ihre Gesundheit.

Auf den Blumenfarmen Kenias, Ecuadors oder Kolumbiens entsprechen die Arbeitsbedingungen nicht immer den notwendigen Standards. Der hohe Einsatz giftiger Chemikalien kann bei fehlender Schutzkleidung zu Langzeitfolgen wie Asthma und Hautreizungen bis hin zu Fehlgeburten führen. Den meisten Arbeiterinnen sind diese Risiken aber im Vorhinein gar nicht bekannt.

Die Löhne in der Rosenproduktion orientieren sich meist an den gesetzlichen Mindestlöhnen, zum Teil werden diese aber auch unterschritten. Die durchschnittliche Wochenarbeitszeit beträgt 52 Stunden, wobei Arbeitsverträge nur selten ausgestellt werden. So entziehen sich die Farmbesitzer den gesetzlich vorgeschriebenen Sozialleistungen. Auch gibt es Fälle wo Gewerkschaftsgründungen durch Androhung und Ausübung von Repression verhindert werden. Ansonsten bleibt ihr Einfluss oft gering.

Im April 2011 veröffentlichte Ökotest das Resultat einer Untersuchung, bei der 22 Rosensträusse, gekauft in deutschen Märkten, im Labor auf giftige Schadstoffe getestet wurden. Das ernüchternde Ergebnis besagt, dass fast alle Rosen Rückstände von Pestiziden enthielten. Bis zu 20 verschiedene Substanzen, darunter potentiell krebserregende Stoffe wurden festgestellt. Für die Käufer in Europa stellt dies zwar keine unmittelbare Gefahr dar – sehr wohl aber für die Produzentinnen und Produzenten, wenn sie nicht ausreichend geschützt werden.

Warum Fairtrade den Unterschied macht

Auf Fairtrade-zertifizierten Blumenfarmen werden die Blumen nach klar definierten sozialen und ökologischen Standards gezüchtet.

Frauen machen ungefähr die Hälfte der Beschäftigten auf Blumen- und Pflanzenfarmen aus. Sie sind als Pflückerinnen oder in den Verpackungshallen tätig. Viele sind alleinerziehend, ihr Bildungsstand ist meist niedrig. Oft kennen sie ihre Rechte als Arbeitnehmerinnen nicht, niedrige Löhne und mangelnde Arbeitssicherheit verschlechtern die Situation. Fairtrade hat das Ziel, die Arbeits- und Lebensbedingungen der Beschäftigten zu verbessern. Dazu gehören feste Arbeitsverträge, Versammlungs- und Gewerkschaftsfreiheit, Mutterschutz und klare Arbeitszeitregelungen, Schutzkleidung und Trainings zum sicheren Umgang mit Chemikalien.

Für die Farmen gelten strenge Umweltkriterien. Wassersparende Bewässerung, Kläranlagen, Kompost- und Müllmanagement sind ebenfalls Bestandteile der Fairtrade-Standards.

Die Fairtrade-Prämie beträgt zehn Prozent des Exportwertes und kommt direkt den Beschäftigten zugute. Die Arbeiterinnen und Arbeiter entscheiden selbständig durch ein von ihnen gewähltes Prämienverwendungs-Komitee über deren Einsatz. Dies stärkt die Verantwortung, und die Projekte kommen der ganzen Gemeinschaft zugute.

Fairtrade-zertifizierte Blumen- und Pflanzenfarmen müssen ihren Beschäftigten mindestens den gesetzlichen Mindestlohn zahlen. In vielen Ländern liegt dieser jedoch nicht auf einem existenzsichernden Niveau. Der überarbeitete Standard für lohnabhängig Beschäftigte, der Mitte 2014 in Kraft trat, sieht daher vor, dass Plantagen schrittweise Lohnerhöhungen durchführen müssen. Fairtrade International hat Untersuchungen beauftragt, auf welcher Höhe ein existenzsichernder Lohn je nach Region anzusetzen ist. Die Zahlung des tatsächlichen existenzsichernden Lohns kann nur schrittweise eingeführt werden, da die Fairtrade-zertifizierten Blumen- und Pflanzenfarmen sonst nicht mehr konkurrenzfähig wären.

Blumen-Unterstützungsprogramm (Flower Enhancement Programm FEP)

Für Entwicklungsländer spielt die Blumen- und Pflanzenindustrie eine immer bedeutendere Rolle, denn sie bietet Tausenden Arbeitskräften einen Arbeitsplatz. Fairtrade hat für Kenia, Äthiopien, Tansania, Uganda und Simbabwe das Flower Enhancement Programm auf Basis der Fairtrade-Standards geschaffen, um Blumenfarmen und ihre Angestellten, zusätzlich zur Fairtrade Prämie, vor Ort besser zu unterstützen. Neben dem Erreichen eines langfristigen existenzsichernden Einkommens, ist das Ziel dieses Projektes, die Menschen in den betroffenen Gebieten in verschiedenen weiteren Projekten zu unterstützen wie: Pestizid Reduzierung, Gewalt gegen Frauen und Folgen des Klimawandels. Infolge der Covid-19-Pandemie fokussiert dieses Programm aktuell auf die Beschaffung von Hygiene-Artikeln wie Masken und auf die Kommunikation von Vorsichtsmassnahmen an die Arbeiterinnen und Arbeiter.