Mit Fairtrade

durch die Krise

Jahres- und Wirkungsbericht 2020

Statement / Vorwort

Ein Rück- und Ausblick von Renato Isella, Geschäftsleiter der Max Havelaar-Stiftung (Schweiz)

 

Fairtrade in der Schweiz

Zahlen & Fakten

Südperspektive

Preise, Prämien und Projekte

-1% gesamt 38'296 Tonnen

Der leichte Rückgang bei den Fairtrade-Bananen ist auf den Entscheid von Lidl International zurückzuführen, die Vollumstellung von 2019 zu beenden. Nun sind einzig die Bio-Bananen Fairtrade-zertifiziert. Somit fehlte 2020 ein signifikantes Volumen. Dieses konnte durch die Umstellung bei Volg sowie weiterem Wachstum bei Coop, Migros und Aldi weitgehend wettgemacht werden. Vor allem während den ersten Wochen des Lockdowns im Frühling explodierte die Nachfrage nach Fairtrade-Bananen förmlich. Die Bananenproduzenten konnten diese zusätzliche Nachfrage grundsätzlich gut bedienen, es gab lediglich wenige Engpässe beim Verpackungsmaterial und beim Transport.

 

-16% gesamt 53 Mio. Stiele

Das Jahr 2020 war kein gutes Jahr für Fairtrade-Schnittblumen: Im Frühling waren in der Schweiz während 6 Wochen die Blumenläden und -abteilungen geschlossen. In ganz Europa war der Verkauf von Schnittblumen stark eingeschränkt. Dies hatte verheerende Folgen für die Blumenfarmen in Ostafrika und Ecuador: Die Produktion musste komplett eingestellt werden, die Angestellten konnten nur noch zur Hälfte weiterarbeiten oder wurden in unbezahlte Ferien geschickt. Plötzlich war für die Arbeiterinnen und Arbeiter Hunger ein Thema. Das Fairtrade-System reagierte sofort und ermöglichte, die Fairtrade-Prämie zu 100% für Lebensmittel oder zum Schutz vor dem Virus zu verwenden. So erhielten die Arbeiterinnen und Arbeiter schnell und gezielt Hilfe. Zum Glück hat sich der Schnittblumenmarkt gut erholt. Im zweiten Halbjahr hat er sogar das Vorjahresergebnis übertroffen. Fairtrade Blumen haben den Schweizer Konsumentinnen und Konsumenten während der zweiten Corona-Welle Freude und Farbe gebracht.

 

-3% 27.6 Mio Liter

Zum einen war Fairtrade-Orangensaft während dem Lockdown ein populärer Vorratsartikel. Zum anderen kam der Verkauf und Konsum in Restaurants, Hotels und Kantinen fast zum Erliegen. Die Pandemie führte bei den Kleinbäuerinnen und -bauern schon früh zu Unsicherheiten, ob die Verträge neu abgeschlossen würden und die Ernte tatsächlich zu Fairtrade-Bedingungen verkauft werden kann. Die Schweizer Retailer und Trader zeigten sich jedoch als zuverlässige Partner. Zudem ist unser Projekt im Bereich «Arbeiter auf Orangenplantagen» angelaufen. Wegen den Auswirkungen der Pandemie in Brasilien mussten einige der geplanten Aktivitäten verschoben werden. Andere wurden virtuell als Zoom-Meetings durchgeführt, wie Schulungen und Trainings für Kleinbauern und Arbeiterinnen.

 

-5% gesamt 7'231 Tonnen

Auch 2020 hatten die zertifizierten Kleinbauernfamilien Vorteile dank Fairtrade: sie profitierten vom Mindestpreis von 1.40 Dollar pro Pfund Fairtrade-Kaffee und den zusätzlich 20 Cent an Prämie. Der Arabica-Weltmarktpreis lag hingegen bei etwa 1.10 Dollar pro Pfund. Die Pandemie stellte die Fairtrade-Bäuerinnen und -Bauern vor erhebliche Herausforderungen und führte zu höheren Produktionskosten: durch Mehraufwand für Schutz- und Hygienemassnahmen, erhöhte Transportkosten durch Logistikprobleme, z.B. schlechtere Verfügbarkeit von Containern oder verspätete Lieferungen sowie der Ausfall bzw. Ersatz von Erntehelfern z.B. durch gesetzliche Reisebeschränkungen. Zudem wurden wichtige Messen und Veranstaltungen abgesagt – für Fairtrade-Kooperativen in der Regel eine Chance, neue Märkte zu erschiessen. Dank der flexiblen Verwendung der Fairtrade-Prämie konnten verschiedene Kooperativen Nahrungsmittel an ihre Mitglieder verteilen oder deren Einkommensausfälle abfedern. Zudem zeigt das Beispiel von Red Ecolsierra in Kolumbien , wie Kooperativen auf Digitalisierung, Heimlieferung und weitere innovative Ideen setzten

 

+8% gesamt 6'578 Tonnen

Im Jahr 2020 hat der Fairtrade-Kakao in der Schweiz eine neue Rekordmarke mit anhaltendem Wachstum erreicht. Weitere Partner haben sich für Fairtrade entschieden und bieten so den Kakaobäuerinnen und -bauern einen garantierten Mindestpreis (2400 $/MT, also 20% mehr als im Vorjahr). Dies ist eine positive Entwicklung, die in den Kakaoanbauländern dringend benötigt wird. Wie die Kleinbäuerinnen und -bauern auf der ganzen Welt waren auch diejenigen in Westafrika von der Corona-Pandemie betroffen. Lockdowns führten zu Transportproblemen und die Arbeiter konnten nicht reisen. Das Produzentennetzwerk Fairtrade Africa konnte wegen der Pandemie keine Feldbesuche mehr durchführen und setzte stattdessen auf Fernschulungen sowie Unterstützung bei der Beantragung von Fonds-Beiträgen. Die Corona-Fonds von Fairtrade kamen genau zum richtigen Zeitpunkt: als die Kleinbäuerinnen und -bauern ihn am meisten brauchten.

 

+5% gesamt 9’143 Tonnen

Das vierte Jahr in Folge hat der Fairtrade-Zucker in der Schweiz weiter an Dynamik gewonnen, da die Konsumentinnen und Konsumenten wegen der Corona-Massnahmen mehr zu Hause gekocht und gebacken haben. Diese Unterstützung war gerade für Zentralamerika in diesem Jahr enorm wichtig: Zusätzlich zur Corona-Pandemie wurden Belize, Costa Rica und El Salvador von schweren Regenfällen und einer Reihe von Tropenstürmen heimgesucht, was zu zahlreichen Überschwemmungen führte – mit verheerenden Folgen für die Zuckerbäuerinnen und -bauern: Viele Ernten gingen verloren oder fielen deutlich geringer aus. Das ganze Jahr über arbeitete das Fairtrade-System zusammen, um die Auswirkungen der Corona-Pandemie zu mildern, zum Beispiel durch die Lieferung von Lebensmitteln und Hygieneartikeln für die Zuckerproduzenten in El Salvador und Indien. Zudem zeigt ein neues Fairtrade-Programm auf Mauritius vielversprechende Ergebnisse auf dem Weg zu einer klimafreundlichen Zuckerrohrproduktion.

 

Unsere Dienstleistungen

… Business to Business

JAHRES- & WirkungsBERICHT

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Lesen Sie, wie der faire Handel dazu einen konkreten Beitrag leistet und was wir gemeinsam mit unseren Partnern im letzten Jahr erreichen haben.

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