Stärkung von Kleinbauern

Starke Organisationsstruktur für eine effiziente und nachhaltige Produktion

Jumiran, Fairrade-Kaffekleinbauer aus Indonesien

Rund 1,5 Milliarden Menschen leben weltweit in kleinbäuerlichen Haushalten. Das heisst, die Familien haben ein kleines Stück Land, von dessen Ertrag sie leben. Neben Nahrungsmitteln zur Selbstversorgung bauen viele Kleinbauern Produkte an, die sie verkaufen können, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Kleinbauern leiden besonders unter Schwankungen der Weltmarkpreise für Produkte, die auf internationalen Börsen gehandelt werden. Dazu zählt zum Beispiel Kaffee. Auch der Klimawandel ist eine akute Bedrohung, da er bereits heute Einfluss auf die Ernten hat.

Mit 86 Prozent stellen Kleinbauern den grössten Teil der Produzenten, mit denen Fairtrade zusammenarbeitet.

Kleinbauern machen mit 86 Prozent den grössten Teil der Produzenten aus, mit denen Fairtrade zusammenarbeitet. Nur 14 Prozent gehören zur Gruppe der lohnabhängig Beschäftigten, die kein eigenes Land besitzen. Seit es Fairtrade gibt, geht es in erster Linie um die, die sich und uns mit Lebensmitteln versorgen. Denn sie haben auf dem Weltmarkt eine schwache Position und bekommen nur einen winzigen Teil dessen, was ein Produkt später kostet. Damit sich die Situation der Kleinbauern im globalen Süden verbessert, müssen sie gestärkt werden und eine Stimme bekommen.

 

Unser Ansatz

Ziel von Fairtrade ist es, die Lebens- und Arbeitsbedingungen der Kleinbauern nachhaltig zu verbessern. Das fängt bereits in der Organisation von Fairtrade International an: Die Kleinbauern und  Beschäftigten haben zusammen 50 Prozent der Stimmen bei allen wichtigen Entscheidungen im Fairtrade-System. Sie sind also nicht blosse Empfänger von Zusatzleistungen, sondern sind Mitgestalter der Regeln, die hinter dem Fairtrade-Siegel stehen.

Unterstützung vor Ort bekommen die Produzenten durch die jeweiligen kontinentalen Fairtrade-Netzwerke. Von dort aus werden Schulungen und Projekte organisiert sowie Beratung für die Kleinbauern angeboten. Zum Beispiel, um den Auswirkungen des Klimawandels zu begegnen oder die Kleinbauern bei der Umstellung auf Bioanbau zu unterstützen.

Das Ziel von Fairtrade, Kleinbauern zu unterstützen, basiert auf den drei Säulen der Nachhaltigkeit:

  • Soziales: Kleinbauern schliessen sich bei Fairtrade zu starken Organisationen zusammen, in denen demokratisch über die Verwendung der Fairtrade-Prämie entschieden wird
  • Umwelt: Kleinbauern halten Umweltkriterien ein, die in den Standards verankert sind. Sie werden in der Umstellung auf Bio-Anbau unterstützt und erhalten einen Aufschlag für biologische Produkte
  • Ökonomie: Durch die Zahlung eines Mindestpreises ist ein nachhaltiges Wirtschaften gesichert. Ausserdem erhalten die Kleinbauernorganisationen eine Fairtrade-Prämie für Gemeinschaftsprojekte und bei Bedarf eine Vorfinanzierung.

Was schreiben die Fairtrade-Standards vor?

Der Fairtrade-Standard für Kleinbauernorganisationen schreibt vor, wie die Kleinbauern sich organisieren, wie sie anbauen und mit ihrer Ware handeln:

  • Die Kleinbauern-Organisationen müssen demokratisch organisiert sein.
  • Jedem Mitglied muss es möglich sein, an Entscheidungsprozessen innerhalb der Organisation mitzuwirken.
  • Vorfinanzierung: Bis zu 60% der vertraglich vereinbarten Abnahmemenge muss bei Bedarf durch den Aufkäufer vorfinanziert werden.
  • Die Kleinbauernorganisationen bekommen für ihre Ware einen festgelegten Mindestpreis, falls der aktuelle Weltmarktpreis darunter liegt
  • Die Kleinbauernorganisationen bekommen eine Fairtrade-Prämie, über deren Verwendung sie demokratisch entscheiden

Was tut Fairtrade darüber hinaus?

Fairtrade hat die Stärkung der Kleinbauern zu einem Fokusthema erhoben, denn Kleinbauern benötigen vielerorts mehr Unterstützung, um Herausforderungen wie dem Klimawandel begegnen zu können. Auf der Ebene von Fairtrade International werden Strategien entwickelt, um Fairtrade-Kleinbauern einen grösseren Absatzmarkt zu bieten. Untersuchungen zeigen, dass die Produzentenorganisationen am schwächsten sind, die nur geringe Anteile ihrer Produktion als Fairtrade-zertifizierte Ware verkaufen können. Sie profitieren dann zum Beispiel kaum von der Fairtrade-Prämie, die ein wichtiges Werkzeug für die ländliche Entwicklung ist. Ein weiterer wichtiger Aspekt, der eine starke Kleinbauernorganisation ausmacht, ist die Qualität der Organisationsstruktur. Nur eine gut aufgebaute Kleinbauernorganisation mit funktionierenden Partizipations- und Entscheidungsorganen ist in der Lage, effizient und nachhaltig zu produzieren.

Voneinander lernen und Ideen teilen

Fairtrade International kann als Dachorganisation Produzentengruppen vernetzen, die ähnlichen Problemen gegenüberstehen und so über grosse Distanzen hinweg Best-Practice-Szenarien zugänglich machen. Kleinbauernorganisationen sollen somit stärker voneinander lernen können, Fehler vermeiden und Ideen teilen. Als Grundlage dient eine genaue Datenerhebung sowie die Kommunikation mit den Kleinbauern vor Ort. Die Arbeitsgruppe zum Fokusthema Kleinbauern ist derzeit im Aufbau. Projekte werden zusammen mit Kleinbauernvertretern entwickelt und die Finanzierungsmöglichkeiten geprüft.