Menschenrechte

Nicht nur bei Bananen gilt: Werden bei der Produktion Menschenrechte verletzt, haften Unternehmen aus dem Norden nicht – sie profitieren.

Noch immer werden weltweit vielen Millionen Menschen elementare Grundrechte vorenthalten – vorallem in der Lieferkette global arbeitender Unternehmen. Fairtrade zeigt, wie Alternativen aussehen.

Menschenrechte bedeuten für mich, dass der Mensch wahrgenommen wird, dass er nicht erniedrigt wird und dass er geschätzt wird.

Dolcey Silgado, Arbeiter bei Bananeras de Urabá, Kolumbien

Wenn ausländische Zulieferer grundlegende Menschenrechte verletzen, haften Unternehmen aus dem Norden nicht – sie profitieren. Und viele Länder können oder wollen das Thema nicht angehen. Menschenrechte in der Lieferkette sind der blinde Fleck des Konsums.

Dabei deklarierten die Vereinten Nationen bereits 1948 die allgemeinen Menschenrechte und dass Staaten verpflichtet sind, diese zu schützen. Aber erst 63 Jahre später – im Jahr 2011 – erweiterte die UN mit ihren Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte die Verantwortung auf Unternehmen. Diese neuen internationalen Empfehlungen setzten so­wohl für Staaten als für Unternehmen einen wichtigen Rahmen. Die EU-Kommission hat beispielsweise ihre Mitgliedsstaaten aufgefordert, diese Prinzipien auf nationaler Ebene anzuwenden.

Die UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte

2011 haben die Vereinten Nationen (UN) die Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte verabschiedet. Seitdem gelten sie als eines der wichtigsten internationalen Regelwerke. Sie be­ruhen auf den drei Prinzipien: Schutz, Achtung und Abhilfe.

  • Schutz: Staaten sind völkerrechtlich verpflichtet, Menschen durch angemessene Politik, Regulierung und Rechtsprechung vor Ver­stössen der Menschenrechte zu schützen.
  • Achtung: Unternehmen haben die Verantwortung, Menschen­rechte zu achten. Sie sollen eine Sorgfaltsprüfung (Due Diligence) vorsehen, um mögliche negative menschenrechtliche Auswirkun­gen ihrer Geschäftstätigkeit zu beenden sowie sich um Wieder­gutmachung bemühen.
  • Abhilfe: Als Teil ihrer Schutzverpflichtung müssen Staaten den von Menschenrechtsverstössen betroffenen Personen Zugang zu gerichtlichen und aussergerichtlichen Mitteln verschaffen, damit wirtschaftsbezogene Menschenrechtsverstösse untersucht, geahndet und wiedergutgemacht werden.

Fairtrade bietet Alternativen

Um ihre Lieferketten verantwortungsvoller zu gestalten, suchen sich Unternehmen vermehrt Fairtrade als Partner. Die Organisation mit ihrem weltweiten Netzwerk, den Standards, Mindestpreisen und Prämien sowie ihrem Know­how kann für Unternehmen ein wertvoller Partner bei der Umsetzung der menschenrechtlichen Sorg­faltspflichten sein. Zudem kann Fairtrade Unternehmen bei einigen der Prozessschritte zur Umsetzung von menschen­rechtlichen Sorgfaltspflichten begleiten oder in deren Auftrag tätig werden. So hilft Fairtrade beispielsweise dabei, mehr Transparenz und Rückverfolgbarkeit in Lieferketten zu bringen. Die Umsetzung der menschenrechtlichen Sorgfaltspflichten bleibt aber selbstverständlich weiterhin in der Hauptverantwortung der Unternehmen. Eine menschengerechte Lieferkette ist möglich, Unternehmen müssen Chancen lediglich nutzen!

Was schreiben die Fairtrade-Standards vor?

Fairtrade ist ein menschenrechtsbasierter Ansatz. Die Entstehung und Entwicklung von Fairtrade ist seit jeher eng mit der Debatte um Menschenrechte verbunden. Beispiele für konkrete menschenrechtliche Vorgaben von Fairtrade sind:

  • Ausbeuterische Kinderarbeit – verboten durch die Standards, Einhaltung kontrolliert durch Zertifizierung, Projekte und Programme zur Bekämpfung ausbeuterischer Kinderarbeit.
  • Diskriminierung - verboten durch die Standards, Einhaltung kontrolliert durch Zertifizierung, Projekte und Programme für mehr Gleichberechtigung.
  • Landgrabbing - verboten durch die Standards, Einhaltung kontrolliert durch Zertifizierung.
  • Einsatz hochgefährlicher Stoffe - verboten durch die Standards, Einhaltung kontrolliert durch Zertifizierung, Training und Weiterbildung.
  • Arbeits-/Gesundheitsschutz – verpflichtend durch die Standards, Einhaltung kontrolliert durch Zertifizierung, Training und Weiterbildung.