Frauen schaffen es auch alleine

Der erste Kaffee aus Frauenhand in Kenia

Drei Frauen vom Kaffeeprojekt in Kenia

Marion Ng’ang‘a, Agrarwissenschaftlerin bei Fairtrade Africa, ist Managerin des Projekts „Growing Women in Coffee“ und schildert ihre Eindrücke. Sie erzählt uns, wie das Programm dazu beigetragen hat, die Kaffeebäuerinnen zu stärken, und sie jetzt, im dritten Jahr, den ersten Kaffee aus Frauenhand auf den Markt gebracht haben.

"Ich hoffe so sehr, dass dieses Projekt erfolgreich ist,“ sagt Marion. "In erster Linie geht es um die Frauen, aber es geht auch um die gesamte Gemeinschaft. Wenn Frauen wirtschaftlich gestärkt werden – es ihnen also möglich ist, ihre eigenen Kaffeebüsche zu besitzen und zu pflegen - bedeutet das, dass sie dabei lernen und anderen helfen können. Die Auswirkungen zeigen sich in der Qualität ihrer Pflanzen, in ihrem Verhalten innerhalb der Gemeinschaft und vor allem im Strahlen ihrer Gesichter.“

Ein persönliches Anliegen

"Ich erinnere mich an meine eigene Mutter nur als alte Frau. Man konnte ihrem Gesicht die jahrelange harte Arbeit ansehen. Aber hier treffe ich auf Frauen, die die Kaffeebüsche ihrer Väter und Ehemänner nun seit einigen Jahren pflegen und dabei lächeln. Sie sind stolz. Sie alle sprechen davon, wie die Frauen hier zu einer zentralen Säule der Gemeinschaft werden; über die Frauen, die in die Stadt gehen können, um neue Kleidung zu kaufen - Kleidung, die sauber ist, weil sie nicht durch den schwarzen Rauch der Holzfeuer schmutzig wird.“

Kaffeebäuerin an altem Holzofen

Denn Teil dieses Projekts war es auch, die Verwendung von Holz für Haushaltsarbeiten wie Kochen und Reinigen, zu reduzieren. Frauen verbrachten bis zu 20 Stunden pro Woche, um Holz zu sammeln und Feuer für ihre Öfen zu machen. Ihre Häuser waren voller Rauch, die Kochtöpfe waren schwarz vor Russ, und Bäume, die sie für das Brennholz brauchten, wurden zur Seltenheit."

Mit Gas geht’s besser

"Als ich mit diesem Projekt anfing, haben wir den Frauen zunächst einmal zugehört und sie gefragt, was sie brauchen“, berichtet Marion Ng’ang’a. Als Folge dieser Befragung wurden Biogasanlagen gebaut. Durch die anfängliche Finanzierung der Anlagen verringerte sich die Menge des gesammelten Brennholzes um 75 Prozent (dies entspricht über 1.000 Tonnen Holz pro Jahr), und die Zeit, die die Frauen für das Sammeln von Holz verbrachten, verringerte sich um 60 Prozent.“

„Die Biogasöfen mögen vielleicht nicht wie eine grosse Investition erscheinen, aber die sie haben eine enorme Strahlkraft. Sogar die Männer interessieren sich jetzt für das, was in der Küche vor sich geht“, berichtet Marion.

"Das Einatmen des schwarzen Rauches der Feuerstellen war ein grosses Problem. Das Biogas ist viel sauberer. Eine Frau kaufte spezielle neue Töpfe für ihren neuen Biogasofen, weil sie beim Kochen nicht geschwärzt werden. Auch die Hygiene in den Küchen und auf dem Hof hat sich verbessert. Und wir sehen schon jetzt weniger Erkrankungen der Atemwege und der Augen.“

Fraue kocht mit neuem Gasofen

Zusätzlich wurden mehrere junge Leute ausgebildet. Denn um die Biogasanlagen zu bauen wurden Maurer benötigt, die das Handwerk verstehen. 34 arbeitslose Jugendliche - darunter acht Frauen - wurden eingestellt und können jetzt überall dort arbeiten, wo neue Einheiten benötigt werden.

"Obwohl es für Frauen in Männerjobs immer noch viele Herausforderungen gibt, konnte das gesamte Projekt nur mithilfe der Unterstützung der Männer realisiert werden“, räumt Marion ein. „Zuerst waren die Männer misstrauisch, was in unseren Treffen mit den Frauen vor sich ging. Also haben wir sie auch dazu eingeladen. In den beiden Kaffee-Kooperativen Kabng'etuny und Kapkiyai sind inzwischen 450 Frauen und 105 Jugendliche beteiligt – zwei Frauen sind Vorstandsmitglieder.“

Nächste Schritte

Für die Zukunft des Projekts „Women Growing in Coffee“ hat Marion Ng’ang’a hauptsächlich ein Ziel im Visier: "Wir müssen sicherstellen, dass das Projekt auch ohne externe Finanzierung weiterlaufen und sich als rentabel erweisen kann. Wir haben gerade den ersten, ausschließlich von Frauen in Kenia angebauten Kaffee auf den kenianischen Markt gebracht. Er heisst Zawadi Coffee - der Swahili-Name für “Geschenk“. Weil der Kaffee das Geschenk ist, das Frauen ihr Leben zurückgibt."

„Zeddy trifft Anna“

Eine der Frauen, die an dem Projekt teilgenommen hat, ist die Kaffeebäuerin Zeddy Rotich. Im folgenden Kurzfilm erzählt sie von ihren Erfahrungen und der Entwicklung, die in Ihrer Kooperative dank Fairtrade in Gang gesetzt wurde: