Die Fairtrade-Produzenten

Hinter jedem Produkt stehen Menschen

Auf der Weltkarte sehen Sie eine Auswahl der Fairtrade-Produzenten, deren Produkte und Rohstoffe in der Schweiz verkauft werden*. Mit den Filtern können Sie bequem nach Produkten und/oder Ländern suchen.

Die Vanille-Kooperative KOMAM in Madagaskar

Die Kooperative KOMAM besteht aus ca. 950 Kleinbäuerinnen und Kleinbauern und ist seit 2006 Fairtrade-zertifiziert. Unter fairen und ökologischen Bedingungen bauen sie unter anderem Vanille und Gewürznelken an. Das traditionelle Wissen der Bevölkerung und das feuchte, tropische Klima sind die ideale Basis für schmackhafte Bio-Bourbon-Vanille und Nelken von hervorragender Qualität. Ein Teil der Gegend Mananara im Nord-Osten von Madagaskar ist ein durch die UNESCO geschütztes Lebensraum-Reservat.

Ort/Land
Mananara, Madagaskar MG

FLO-ID
5417

Organisationsform
Kooperative

Fläche
984.00 ha

Gründung
2003

Zertifizierung
2005

Bäuerinnen / Bauern
619


 

Aus Fairtrade-Prämie realisierte Projekte

Mit der Fairtrade-Prämie wurden unter anderem folgende Projekte realisiert:


- Bau von Brücken


- Bau und Renovationen von fünf Schulen


- Finanzierung von Ausbildungen


- Finanzierung der Zertifizierungen (Ecocert und FLO)

 

Unterstützung für Mitglieder und die Gemeinschaft
- Um die Gemeinschaft in ihrer Not zu unterstützen, hat KOMAM beschlossen, 7 Schulen für die Grund- und Sekundarschulbildung und Unterkünfte für die Lehrer zu bauen.
- Die Kooperative hat den Kindern der Mitglieder Schulsets angeboten, um die Kosten für die Schulausbildung der Kinder zu verringern.
- Angesichts des schlechten Straßennetzes haben die Mitglieder beschlossen, 11 Brücken in verschiedenen Dörfern zu bauen, um den Transport von Waren und Menschen zu erleichtern.
- Mananara-Nord ist ein zyklongefährdetes Gebiet, in dem Dorfschulen und öffentliche Infrastrukturen nach dem Durchzug von Zyklonen beschädigt werden, wie z.B. 2008 nach dem Durchzug von Zyklon Ivan. Die Kooperative half der Gemeinde, sich von den durch den Zyklon verursachten Schäden zu erholen, indem sie vier öffentliche Schulen, eine Brücke und das Dach des Gemeindeamtes wieder aufbaute.
- Unter Berücksichtigung der Bedürfnisse der Bauern und der Gemeinden umfasste das Fairtrade-Premium-Projekt auch den Bau von 5 Bohrlöchern für den Zugang zu Wasser.

 

Umweltprojekte
KOMAM kämpft gegen die Abholzung von Primärwäldern und Buschbränden mit einer Aufklärungskampagne als Teil ihres Umweltplans. Sie praktizieren auch Agroforstwirtschaft, indem sie Vanille-Unterstützungspflanzen und Nelkenbäume anpflanzen.

 

Investitionen zur Verbesserung der Dienstleistungen für die Mitglieder
- KOMAM kaufte Motorräder, um von Dorf zu Dorf fahren zu können, um Schulungen durchzuführen, Projekte zur Verwendung der Fairtrade-Prämie zu überwachen und interne Kontrollen der Produktionspraktiken nach Bio- und Fairtrade-Standards durchzuführen.
- Die Kooperative erwirbt regelmäßig Büroausstattung, um einen reibungslosen Ablauf des Kooperativenbetriebs zu ermöglichen.

 

Partnerschaften

Gestärkte und nachhaltige Partnerschaften zwischen Produzenten und Händlern
- Nachhaltige Handelspartnerschaft zwischen KOMAM und dem Käufer (Premium Spices).

- Premium Spices und KOMAM haben bei der Lösung von Problemen im Zusammenhang mit der Verwendung von chemisch (Permethrin) imprägnierten Moskitonetzen zusammengearbeitet, die die Bio-Zertifizierung beeinträchtigen. Sie haben sich für eine alternative Verwendung von permethrinfreien Moskitonetzen entschieden.

 

Die Kooperative

KOMAM wurde als Verein im Jahr 2004 mit der Unterstützung einer Regierungsorganisation, die für das Management von Schutzgebieten zuständig ist (ANGAP), und der Schweizer Interkooperation gegründet. Dies war eine Folge der UNESCO-Initiative für Erhaltung und integrierte Entwicklung zum Schutz des Mananara-Biosphärenreservats mit dem Ziel, die menschliche Integrität zu respektieren. Slow Food unterstützte die Kleinbauernorganisation seit ihrer Gründung ebenfalls mit technischer Hilfe, Schulungen und Austauschbesuchen mit verschiedenen Ländern, wobei der Schwerpunkt auf der nachhaltigen Landwirtschaft liegt.

Die Erzeugergemeinschaft änderte 2009 ihre Rechtsform und wurde zu einer Kooperative, damit sie Handelsaktivitäten durchführen und Gewinne erzielen kann. Alle Mitglieder der Vereinigung sind automatisch Mitglieder der Kooperative geworden. Die Ziele der Kooperative sind (i) die Verbesserung und Ausweitung der landwirtschaftlichen Anbauflächen, insbesondere für Cash Crops (Nelken, Vanille); (ii) die Steigerung der landwirtschaftlichen Produktion in Qualität und Quantität; (iii) die Vermarktung der landwirtschaftlichen Produkte der KOMAM-Mitglieder.

Alle Mitglieder der Kooperative gehören der so genannten COBA (Communauté de Base) an, einer dörflichen Gemeinschaft, die die an das Biosphärenreservat Mananara angrenzenden Wälder offiziell und ökologisch bewirtschaftet. Die Hauptaktivitäten der Bauern sind (i) Pflanzung und Aufbereitung von Vanille, (ii) Pflanzung von Gewürznelken, (iii) Schutz des Biosphärenreservats Mananara-Nord in Partnerschaft mit den Madagaskar National Parks.

 

Etwa 950 Kleinbäuerinnen und Kleinbauern gehören der KOMAM an. Seit Anfang des Jahres 2006 ist die Kooperative Fairtrade-zertifiziert. Ihre Mitglieder bauen vor allem Vanille und Gewürznelken für den Export an. Rund 15 Tonnen Fairtrade-Vanille ernten die Kleinbäuerinnen und Kleinbauern in den Monaten Juni und Juli. Für den Verkauf auf lokalen Märkten und für den Eigenverbrauch werden außerdem Kaffee, Ananas, Lychees, Kokosnüsse und Pfeffer angebaut.

Die Kooperative KOMAM hat umfangreiche Erfahrung in der Präsentation ihrer Qualitätsprodukte durch die Teilnahme an nationalen und internationalen Veranstaltungen wie der Madagascar Vanilla Fair seit 2018 und Terra Madre in Italien seit 2006.

 

Produktion und Qualität

Die Vanillestangen wachsen im fruchtbaren Boden des tropischen Regenwaldes rund um das Biosphärenreservat Mananara-Nord und sind dank ihres intensiven Aromas als eine der besten Vanillen der Welt bekannt. Sie werden von Kleinbauern mit kleinen Parzellen am Rande des Regenwaldes in der Randzone des Mananara-Nord-Nationalparks angebaut.

Von Anfang an hat sich die Kleinbauernkooperative das Ziel gesetzt, die Entwicklung der Region Mananara voranzutreiben, ohne dabei die Umwelt dieser einzigartigen Region zu belasten. Dabei hat die Association des Planteurs de Mananara stets den Nutzen für die gesamte Region im Blick und versucht daher, seine Zusammenarbeit mit Organisationen auszuweiten, die in der Entwicklungsarbeit tätig sind. Ein weiteres Ziel der Kleinbauernkooperative ist, die Qualität ihrer Vanille zu verbessern, um so in Zukunft mehr exportieren zu können.

 

Seit 2006 baut die Kooperative ihre Vanilleschoten daher ausschließlich biologisch an. Die Schoten werden von Kleinbäuerinnen und Kleinbauern aus rund 20 Dörfern angebaut, die im Biosphärenreservat Mananara liegen.

Die Organisation hat in die Stärkung der Kapazitäten ihrer Mitglieder in der Vanilleproduktion investiert, indem sie 2007 Techniker aus einer anderen Region für die Schulung ihrer Mitglieder bezahlte. Die Kooperative hat ein internes Kontrollsystem, das die Mitglieder selbst ausbildet und die Qualität der Vanilleprodukte kontrolliert.

Traditionell werden die Vanilleblüten bereits in den frühen Morgenstunden per Hand bestäubt. Die geernteten Vanilleschoten werden einige Stunden lang in der Sonne getrocknet, bevor sie anschließend wieder abgedeckt werden, um zu "schwitzen" und so ihre Feuchtigkeit zu bewahren.

Eine große Anzahl von KOMAM-Mitgliedern kann ihre Vanille dank der Schulungen, die sie im Rahmen des von der Europäischen Union von 2008 bis 2012 finanzierten AIM-SOAVA-Projekts erhalten haben, selbst aushärten.

Jedes der 5 Gebiete, in denen die Mitglieder der Kooperative ansässig sind, hat ein Team, das für die Umwelt- und Qualitätskontrolle des Vanilleanbaus und der Reifung der Vanille zuständig ist.

 

Fair geht's besser

Mit den Geldern aus der Fairtrade-Prämie wurde in der Region Mananara verschiedenste Vorhaben realisiert.

 

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Bäuerinnen und Bauern, Arbeiterinnen und Arbeiter auf der ganzen Welt sorgen dafür, dass wir täglich ein umfangreiches Warenangebot vorfinden. 70% der Weltbevölkerung ernährt sich von Lebensmitteln, die von 500 Millionen Kleinbäuerinnen und -bauern angebaut wurden. Landwirtschaft ist die bedeutendste Einkommens- und Beschäftigungsquelle für arme Haushalte in ländlichen Gebieten, 40% der gegenwärtigen Weltbevölkerung bestreitet aus ihr ihren Lebensunterhalt.

Das weltweite Handelssystem sorgt dafür, dass die Vorteile des Welthandels ungerecht verteilt sind und die Menschen am Anfang der Lieferkette in sogenannten Entwicklungs- und Schwellenländern mit schlechteren Ausgangsbedingungen, weniger Einfluss und prekäreren Arbeits- und Lebensverhältnissen zu kämpfen haben.

Ausserdem sind kleinbäuerliche Betriebe vom Klimawandel am härtesten betroffen. Nutzflächen der Grössenordnung von 12 Millionen Hektar pro Jahr werden wegen Wüstenbildung und Dürre unbebaubar. Bereits ein geringer Temperaturanstieg von 1°C führt zu Ernteeinbussen von 5-10% für die verbreitetsten Getreidearten. In den letzten zehn Jahren des 20. Jahrhunderts lebten 99 von 100 Menschen, die in klimabedingten Naturkatastrophen ums Leben kamen, in ärmeren Ländern.

Rechte stärken, Lebensalltag verbessern

Fairtrade ermöglicht es Produzentinnen und Produzenten aus Regionen wie Afrika, Asien und Lateinamerika, zu einer einflussreichen Kraft für Veränderungen in ihrem Umfeld zu werden und selbstbestimmt ihre Zukunft zu gestalten.

Rund 1.66 Millionen Bäuerinnen und Bauern sowie Arbeiterinnen und Arbeiter auf Plantagen aus 75 Anbauländern profitieren derzeit von ihrer Beteiligung an Fairtrade. Bäuerinnen und Bauern schliessen sich in demokratischen Organisationen zusammen, die ihre Interessen auf dem Markt besser vertreten und über gemeinsame Anschaffungen und Fortbildungen ihre Ernteerträge erhöhen. Arbeiterinnen und Arbeiter auf Plantagen erhalten durch Fairtrade die Unterstützung, ihren Rechten und Bedürfnissen über demokratische Interessenvertretungen wie Gewerkschaften eine einflussreiche Stimme zu verleihen und bessere Arbeitsbedingungen sowie eine stabilere Lohnsituation zu erreichen.

Prämie und politische Teilhabe

Sie alle profitieren von der Fairtrade-Prämie, die Projekte zur Verbesserung ihres eigenen Lebensalltags  und des Alltags ihrer Familien und ihrer Umgebung finanziert: Bildung, Gesundheitsversorgung, Verbesserungen der Wohnsituation und Massnahmen zur Steigerung der Produktivität landwirtschaftlicher Kleinbetriebe.

Im Fairtrade-System verfügen sie als Mitglieder der Produzentennetzwerke Fairtrade Africa, Network of Asian and Pacific Producers (NAPP) und Coordinator of Fairtrade Latin America and the Caribbean (CLAC) über 50% der Stimmen in der Fairtrade-Generalversammlung.

Fairtrade-Produzenten-Karte

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