Die Kaffee-Kooperative "La Florida" in Peru

In der abgeschiedenen Region Chanchamayo wächst ein hervorragender Kaffee, dennoch führten die Menschen in der abgeschiedenen Region Perus ein sehr bescheidenes Leben. Denn die Kaffeebauern hielten nur den Anbau in ihren Händen, die Weiterverarbeitung und Verkauf des "Schwarzen Goldes“ übernahmen die Zwischenhändler. Dieses Ungleichgewicht wollten 50 Männer und Frauen ändern und gründeten in den 70er Jahren die Kaffeekooperative „La Florida“.


Ort/Land
La Merced, Peru PE

FLO-ID
796

Organisationsform
Kooperative

Fläche
6464.00 ha

Produktion
7152.00 t

Gründung
1965

Zertifizierung
1993

Bäuerinnen / Bauern
970

 

Aus Fairtrade-Prämie realisierte Projekte

Bildung:
Vergabe von Stipendien für Weiterbildungskurse an Mitglieder der Kooperative und ihre Familien.

Umwelt:
Training für umweltfreundliche Anbau-Techniken und Förderung des biologischen Anbaus

Gesundheit:
Finanzielle Unterstützung für die medizinische Versorgung von Mitgliedern und ihren Familien bei Unfällen

Frauenprogramm:
Die Kooperative hat ein Komitee gegründet, welches Frauen dabei unterstützt, ebenfalls in der Kaffeeproduktion tätig zu sein und zur ökonomischen und sozialen Sicherheit der Familie beitragen zu können

 

Heute betrügt mich so schnell niemand mehr. In der Kooperative finde ich immer ein offenes Ohr. Meine Kinder haben hier Weiterbildungen besucht und bei Vertragsabschlüssen wissen wir jetzt immer, was unser Kaffee wert ist.

Teófila Diaz Vasquez, Kaffeebäuerin, La Florida, Peru

Porträt der peruanischen Kaffeebäuerin Teófila Diaz Vasquez

Heute weiß ich, was unser Kaffee wert ist

Viele Kilometer staubige Piste muss man zurücklegen, um das blumengeschmückte Häuschen von Teófila Diaz Vasquez zu erreichen. Die Kaffeebäuerin lebt bescheiden fernab im peruanischen Regenwald. Hinter dem Haus ist ein kleiner Gemüsegarten, ein Stall für das Schwein, die Kuh und die Meerschweinchen.

Ende der 70er Jahre kam Doña Teófila mit ihrem Ehemann hierher. Beide arbeiteten hart, um einen kleinen Verdienst über den Kaffeeanbau zu erzielen. "Als wir hier ankamen, gab es keine Straßen, keinen Strom, keine Schulen, nichts", sagt Doña Teófila, " nur ein Stückchen fruchtbarer Boden, der sich sehr gut für den Kaffeeanbau eignete." Nach und nach wurden zehn Kinder geboren, die ebenfalls von der Kaffeeproduktion ernährt werden mussten. Jahrelang arbeitete das Ehepaar hart, um sich und ihre Kinder ernähren zu können. "Es war sehr schwer" sagt die 64jährige. "Oft gingen wir abends hungrig ins Bett."

 

Der Kaffeeanbau ist ein hartes Geschäft, denn er benötigt viel Pflege und Sorgfalt über das ganze Jahr. Nur einmal im Jahr ist Ernte. Innerhalb von zwei Monaten muss der Kaffeehain immer wieder durchkämmt und die roten Kaffeekirschen vom Kaffeestrauch gepflückt werden. Früher schälte die Familie die Kaffeekirschen auf dem Hof und breitete sie zum Trocknen unter der Sonne aus. Die getrockneten Bohnen verkauften sie an die Zwischenhändler, die zu ihnen auf den Hof kamen. "Ich wusste nie, wie viel unser Kaffee wert war, niemand informierte mich über den Kaffeemarkt und die üblichen Preise. Als Analphabetin ist man diesen Aufkäufern komplett ausgeliefert. Wie viel Geld mir in die Hand gedrückt wurde, wusste ich nie, aber ich konnte abschätzen, dass es zu wenig sein würde, um meine Familie und mich die nächsten 12 Monate zu ernähren."

Wie Doña Teófila ging es sehr vielen Kleinbauern in Chanchamayo, der entlegenen Kaffeeregion im Regenwald Perus. Daher gründeten sie vor über 30 Jahren die Genossenschaft "La Florida". Hier sollten die Kleinbauern einen kompetenten Ansprechpartner erhalten, um ihren Kaffee zu den bestmöglichsten Bedingungen anzubauen und zu verkaufen.

Bescheidene Erfolge erbrachte die Kooperative für ihre Mitglieder, bis 1988 das Gründungsdorf "La Florida" von der linksgerichteten Terrororganisation "Sendero Luminoso" überfallen wurde. Alle öffentlichen Gebäude wurden zerstört, die jungen Männer und Frauen zwangsrekrutiert. Die überlebende Bevölkerung flüchtete. Erst nach und nach gelang es der Kooperative die Kaffeebauern wieder in die Region zurückzuholen.

"Ohne den Fairen Handel wären wir alle nicht mehr hier," sagt César Rivas, der Geschäftsführer von "La Florida". Mit Hilfe der Fairtrade-Gelder wurde in der abgeschiedenen Region Straßen und Schulen gebaut und ein landwirtschaftliches Fortbildungszentrum für Kaffeebauern eingerichtet, um sie in den neusten Anbaumethoden zu unterrichten. Einen Teil der Fairtrade-Prämie wurde für die Umstellung auf ökologischen Landbau genutzt, da die höheren Preise die Ertragseinbußen in der Umstellungsphase ausglichen.

 

Ein Kleinkreditsystem steht für alle Mitglieder offen, um den finanziellen Engpass vor der nächsten Ernte oder plötzliche Ausgaben wie einen Aufenthalt im Krankenhaus zu finanzieren. Besonders stolz ist die Kooperative auf die hochmoderne Trocknungs- und Verarbeitungsanlage, die auch ein eigenes Kaffeelabor zur Qualitätskontrolle enthält. Außerdem unterhält "La Florida" einen eigenen LKW, um selbst den Transport des exportfertigen Kaffees bis zu Hafen in den eigenen Händen zu halten.

Auch für Teófila Diaz Vasquez hat sich die Mitgliedschaft in der Kooperative "La Florida" gelohnt. Durch den Verkauf ihrer Ernte zu Fairtrade-Bedingungen erhält Doña Teófila regelmäßig höhere Preise für ihren Kaffee. Damit bezahlte sie das Schulgeld für ihre zehn Kinder. "Heute betrügt mich so schnell niemand mehr. In der Kooperative finde ich immer ein offenes Ohr. Meine Kinder haben hier Weiterbildungen besucht und bei Vertragsabschlüssen wissen wir jetzt immer, was unser Kaffee wert ist."

 

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