Die Kaffee-Kooperative Fedecocagua in Guatemala

1969 beschlossen die Mitglieder von 19 Kooperativen, sich in der Federación de Cooperativas de Productores de Café de Guatemala zusammenzuschliessen. Sie hatten verstanden, dass es ihnen nur dann gelingen würde, ihr Leben und das ihrer Familien zu verbessern, wenn sie sich geeint gegen die mächtigen Grosshändler wehrten, die ihren Kaffee zu Niedrigstpreisen erwarben. Das Ziel der Fedecocagua ist es seither, den Mitgliedern zu helfen, ihre Produktion zu steigern und die Qualität des Kaffees zu verbessern. So verdienen sie mehr Geld und können nach und nach ihre Lebensbedingungen verbessern. Damit das gelingt, bietet die Fedecocagua eine ganze Reihe von Dienstleistungen an. Da geht es vor allem um Weiterbildung im technischen und administrativen Bereich, den Zugang zu Krediten, die Erschliessung von neuen Märkten sowie die Verteidigung der Rechte der Kleinbauern. Heute ist die Fedecocagua die grösste Kooperative Guatemalas.


FLO-ID
891

Organisationsform
Kooperative

Fläche
8115.00 ha

Gründung
1969

Zertifizierung
1993

Bäuerinnen / Bauern
3864

 

Aus Fairtrade-Prämie realisierte Projekte

Direktzahlung an Bauern:
Mit einem Teil der Prämie erhöht die Fedecocagua den Preis, welcher dem Produzenten für seinen Kaffee ausbezahlt wird. Dadurch verdienen die Produzenten durchschnittlich mehr.

Produktion:
Der durch einen Pilz verursachte Kaffeerost "La Roya", der grosse Teile der Ernte vernichtet hatte, konnte mithilfe der Prämie erfolgreich bekämpft werden. Zudem finanziert sie Terrassierungen, praktische Auswertungen von Bodenanalysen, Neuanpflanzungen sowie den die korrekte Verwendung von Dünger. 25% der Fairtrade-Prämie müssen zweckgebunden für die Verbesserung der Produktivität oder der Qualität investiert werden.

Soziale und ökologische Nachhaltigkeit:
Ein weiterer Teil der Fairtrade-Prämie investieren die Mitglieder für die Umsetzung der umfangreichen Fairtrade Standards sowie für die unabhängige Überprüfung durch die Zertifizierungsstelle. Nur eine konsequente Aus- und Weiterbildung ermöglicht es, die anspruchsvollen Audits erfolgreich zu bestehen und damit die Zertifizierung zu erlangen.

Bildung:
Für Angehörige der Fedecocagua wurden Stipendien ermöglicht sowie Investitionen in Schulen realisiert.

 

Diese Plantage konnte unter anderem dank der Fairtrade-Prämie saniert werden.

Rodolfo de León, Kleinproduzent der FEDECOCAGUA

1973 exportierte die Fedecocagua erstmals selbst den Kaffee ihrer Mitglieder. Die ersten 3 Container gingen nach Holland, im Rahmen einer neuen Initiative, die sich Gerechter Handel nannte. Doch schon bald erlitt die neue Genossenschaft Rückschläge. Mitte der siebziger Jahre stürzte der Kaffeepreis in den Keller, am 4. Februar 1976 erschütterte ein Erdbeben das Land mit schrecklichen Folgen und der Bürgerkrieg forderte vor allem zu Beginn der achtziger Jahre unzählige Opfer unter den Mitgliedern. Die Kooperativen standen im Sperrfeuer beider Lager: für die Armee waren sie subversive Organisationen, also "Kommunisten", für die Guerilla waren sie kleine Unternehmer, also "Klassenfeinde".

Heute gibt es in Guatemala nach wie vor Gewalt, Korruption, soziale Ungerechtigkeit und Armut. Doch die Fortschritte in den Kooperativen der Fedecocagua sind sichtbar und nachhaltig. Die Kaffee-Kooperative ermöglicht den Kleinbauern Zugang zu technischer Unterstützung, Weiterbildung und zum Finanzmarkt. In demokratisch organisierten Gremien entscheiden sie selbst über die Weiterentwicklung ihrer Genossenschaft. So beweist die Fedecocagua, dass die Guatemaltekinnen und Guatemalteken in der Lage sind, unternehmerisch zu handeln, um ein gemeinsames Ziel zu erreichen.

92 Kooperativen mit rund 23‘000 Mitgliedern in allen Landesteilen sind ihr heute angeschlossen und exportieren durch sie ihren Kaffee. Im letzten Jahr hat die Fedecocagua 225‘000 Säcke zu 69kg im Wert von ca. 60‘000‘000 $ nach Europa, Amerika und Asien exportiert. Dabei besitzt Fairtrade einen Marktanteil von aktuell 35%, welcher der Fedecocagua dabei hilft, in Guatemala ein Pfeiler des fairen Handels auf globaler Ebene zu sein.

 

Zurück