Kaffeebauern in Not

Am 1. Oktober ist der internationale Tag des Kaffees. Zu feiern gibt es aber für die Kaffeebauern derzeit nichts: Der Kaffeepreis ist so tief wie seit 12 Jahren nicht mehr. Viele Kaffeebauern müssen ihren Kaffee unter den eigenen Produktionskosten zu verkaufen.

Bild: Sean Hawkey

25 Millionen Kaffeebauernfamilien gibt es weltweit. Für viele von ihnen reichen die Einnahmen aus der Landwirtschaft nicht zum Leben, sondern vielmehr nur zum Überleben aus. Die Situation wird derzeit noch durch die Marktsituation verschlimmert – die Preise sind auf dem niedrigsten Stand seit 12 Jahren.

Kürzlich haben Brasilien und Kolumbien, die beiden Länder, die gemeinsam die Hälfte der weltweit gehandelten Kaffeebohnen produzieren, zusammen eine Stellungnahme veröffentlicht. Daraus geht hervor, dass Kleinbauernfamilien dazu gezwungen sind, ihren Kaffee unter den eigenen Produktionskosten zu verkaufen.

Diese desaströse Situation in der Kaffeebranche wird von aktuellen Zahlen bestätigt: Ende 2016 lag der Preis für ein Pfund Arabica Bohnen bei 1.55 USD. Seit damals ist der Preis um mehr als ein Drittel eingebrochen und kürzlich unter einen USD gefallen. In Summe könnte so ein Einkommensverlust für die Bauernfamilien in Höhe von 11 Milliarden USD entstehen. Die Kaffee produzierenden Länder bestätigen zwar, dass mittlerweile viele grosse Unternehmen Nachhaltigkeitsprogramme haben, dass diese an sich positiven Aktivitäten aber von den kommerziellen Handelspraktiken am derzeitigen Weltmarkt wieder zunichtegemacht werden. Insgesamt haben Unternehmen jährlich zuletzt ca. 350 Millionen USD für Nachhaltigkeitsmassnahmen im Kaffeeanbau ausgegeben. Allerdings können diese Programme nur dann positive Wirkung zeigen, wenn von Unternehmen auch die Preise für eine kostendeckende Produktion bezahlt werden. Denn verglichen mit dem drohenden Verlust von Einkünften in der Höhe von 11 Milliarden USD sind Projektgelder von 350 Millionen USD leider nur ein Tropfen auf dem heissen Stein. Die Kaffeebäuerinnen und -bauern brauchen Sicherheiten und Geld, um in eine selbstbestimmte Zukunft investieren zu können.

Der aktuelle Weltmarktpreis von rund 1 USD/lb verglichen mit dem Fairtrade-Preis (Mindestpreis & Prämie) von 1.60 USD/lb ergibt einen Preisunterschied von 0.60 USD/lb. Auf einen 18 Tonnen-Container hochgerechnet beträgt die Differenz also 23‘760 USD. Im Jahr 2017 wurden in der Schweiz 6‘451 Tonnen Fairtrade-Rohkaffee verbraucht. Die aktuelle Preisdifferenz auf den Fairtrade-Jahresverbrauch in der Schweiz hochgerechnet ergibt Mehreinnahmen für die Produzentenorganisationen von rund 8.5 Millionen USD.

Der faire Handel leistet einen wichtigen Beitrag und zeigt, dass Produktionskosten deckende Mindestpreise und Prämien für Gemeinschaftsprojekte möglich sind.

Zukunft des Kaffees mit nachhaltigem Anbau sichern

Die Förderung nachhaltigen Kaffeeanbaus ist zwingend notwendig, um die Zukunft des Kaffees zu sichern. Während die Nachfrage nach Kaffee in den Industrieländern steigt, sehen sich Kaffeebäuerinnen und Kaffeebauern zusätzlich zu den katastrophalen Marktpreisen mit den grossen Herausforderungen des Klimawandels konfrontiert. So erfordern beispielsweise Ernteausfälle aufgrund starker Regenfälle und Überschwemmungen oder die Eindämmung sich verbreitender Pflanzenkrankheiten aufgrund steigender Temperaturen zusätzliche Investitionen in den Kaffeeanbau. Eine Studie des Climate Institute aus dem Jahr 2016 kam zu dem Schluss, dass der Klimawandel die für die Kaffeeproduktion geeigneten Anbauflächen bis 2050 um 50 Prozent reduzieren wird, wenn keine drastischen Massnahmen zur Reduktion der Treibhausgase eingeleitet werden! Kaffeeproduzenten müssen ihre Anbaumethoden an neue klimatische Bedingungen und unberechenbare Wetterbedingungen anpassen oder riskieren, ihren Lebensunterhalt zu verlieren. 

Fairtrade berät Kaffeekooperativen, ihre Anbaupraktiken an den Klimawandel anzupassen. Integrierter Pflanzenschutz, Vermeidung von Bodenerosion, Verbesserung der Bodenfruchtbarkeit, nachhaltige Nutzung von Wasserressourcen, nachhaltige Abfallwirtschaft und Reduzierung von Treibhausgasemissionen werden gefördert. „Nachhaltigkeit gibt es nicht um jeden Preis“, erläutert Dieter Overath, Geschäftsleiter von Fairtrade Deutschland. „Ein Teil der Einnahmen muss in Investitionen in ihre Kaffeefelder laufen, damit auch junge Menschen ein attraktives Arbeitsumfeld vorfinden und sich nicht von dem landwirtschaftlichen Beruf abwenden.“

Jetzt sind Sie gefragt!

Im vergangenen Jahr wurden in der Schweiz rund 1’100 Tassen Kaffee pro Person getrunken. Dennoch liegt der Marktanteil von Fairtrade-Kaffee in der Schweiz immer noch bei 10 Prozent – wir sagen, die Richtung stimmt, aber da geht noch mehr! Dafür brauchen wir Ihr Engagement - nur so können wir gemeinsam die dramatische Situation der Kaffeebauernfamilien verbessern.