Bessere Einkommen für Kakaobauern dank höherem Fairtrade-Mindestpreis

Fairtrade International wird den Mindestpreis für Fairtrade-Kakao um 20 Prozent von 2000 auf 2400 Dollar pro Tonne erhöhen. Gleichzeitig steigt auch die Fairtrade-Prämie. Diese Massnahmen sollen dazu beitragen, die Lebensbedingungen der Kakao-Bauernfamilien zu verbessern.

Im letzten Jahr ist der Weltpreis für Kakao um mehr als ein Drittel eingebrochen. Unter den Preisschwankungen leiden insbesondere die Bäuerinnen und Bauern. Fairtrade ist das einzige Zertifizierungssystem mit einem verpflichtenden Mindestpreis, der als Sicherheitsnetz dient, wenn die Marktpreise fallen – und bei dem die Kleinbauernorganisationen dennoch von steigenden Preisen profitieren. Zum Vergleich: In der Elfenbeinküste, dem grössten Kakaoproduzenten der Welt, liegt der aktuelle Marktpreis bei 2124 Dollar.

Besonders stark profitieren die Bauern von Bio-Kakao: Für Bio-Kakao wird der Fairtrade-Preis 300 Dollar über dem Marktpreis oder dem Fairtrade-Mindestpreis liegen – je nachdem, welcher zur Zeit des Verkaufs höher ist. Der aktuell zu zahlende Mindestpreis liegt bei 2300 Dollar pro Tonne Fairtrade-zertifiziertem Bio-Kakao.

Auch Fairtrade-Prämie steigt um 20 Prozent

Die zusätzliche Fairtrade-Prämie wird von 200 auf 240 Dollar pro Tonne angehoben. Die Prämie ist ein Betrag, der zusätzlich zum Einkaufspreis direkt an die Kleinbauernorganisationen gezahlt wird. Diese investieren mit dem Geld in Projekte, die der ganzen Gemeinschaft zugute kommen. Die Prämie trägt dazu bei, dass Kooperativen sich zu starken und professionellen Organisationen entwickeln, die auf die Bedürfnisse ihrer Mitglieder eingehen und sie als langfristige Geschäftspartner stärken. Im Jahr 2017 erhielten Fairtrade-Kakaokooperativen Prämiengelder in der Höhe von 43 Millionen Dollar.

Die neuen Preise wurden vom Fairtrade-Standardkomitee beschlossen, einem aus verschiedenen Akteuren zusammengesetzten Gremium, dem auch Vertreterinnen und Vertreter von Produzenten und Handel angehören. Die höheren Tarife gelten ab 1. Oktober 2019. Dem Beschluss ging ein umfassender Konsultationsprozess entlang der Kakaolieferkette voraus, der Fairtrade-Bäuerinnen und -Bauern, Handelsunternehmen, Hersteller und Schokoladenmarken und die Zivilgesellschaft einschloss.

„Das sind gute Neuigkeiten für die Menschen im Kakaoanbau in Westafrika,” meint Fortin Bley, ivorischer Kakaobauer und Vorsitzender von Fairtrade Afrikas westafrikanischem Produzentennetzwerk: „Bäuerinnen und Bauern werden durch niedrige Weltmarktpreise schwer unter Druck gesetzt. Der höhere Fairtrade-Mindestpreis und die höhere Prämie tragen dazu bei, den Weg in eine nachhaltigere Zukunft zu ebnen.“

Nachfolgend die drei wichtigsten Fragen und Antworten zur Erhöhung des Kakao-Mindestpreises:

Warum ist der Fairtrade-Mindestpreis überhaupt nötig?

Der Fairtrade-Mindestpreis bietet Kleinbauernorganisationen ein Sicherheitsnetz, um die negativen Auswirkungen sinkender Marktpreise auszugleichen, er ermöglicht eine langfristige Planung und Stabilität. Der Mindestpreis ist darauf ausgelegt, durchschnittliche Kosten der Bäuerinnen und Bauern für eine nachhaltige Produktion zu decken, darunter auch Ausgaben für Arbeitskräfte, Ausrüstung, Verarbeitung, Verpackung und Transport.

Was bedeuten die Änderungen für Kakaobäuerinnen und -bauern?

Der neue Fairtrade-Mindestpreis ist 20 Prozent höher als zuvor, das heisst, das Sicherheitsnetz für Bäuerinnen und Bauern wird stärker. Sie werden also mehr verdienen, wenn sie ihren Kakao zu Fairtrade-Bedingungen verkaufen, wenn der Weltmarktpreis darunter liegt. Für Bio-Kakao werden Bäuerinnen und Bauern zusätzlich 300 Dollar als Teil des Kaufpreises erhalten, damit sichergestellt ist, dass der Bio-Aufschlag greift, selbst wenn die Marktpreise höher sind als der Fairtrade-Mindestpreis.

Allerdings kann die Erhöhung von Mindestpreis und -Prämie durchaus ein Risiko für Fairtrade-Bäuerinnen und -Bauern darstellen, da sich einige Händler und Markenhersteller gegen den Einkauf von Fairtrade-Kakao entscheiden können, um die höheren Kosten zu vermeiden. Fairtrade Max Havelaar macht daher auf die Kluft zwischen den derzeitigen Realeinkommen und einem existenzsichernden Einkommen aufmerksam. Das gemeinsame Ziel aller Akteure im Kakaohandel muss sein, einen menschenwürdigen Lebensstandard für die Familien im Kakaoanbau zu schaffen.

Werden Konsumentinnen und Konsumenten für Fairtrade-Schokolade tiefer in die Tasche greifen müssen?

Fairtrade Max Havelaar kann aus rechtlichen Gründen keine Preise für die Endkonsumenten vorgeben. Der Fairtrade-Mindestpreis gilt an der Stelle, an der eine Produzentenorganisation ihre Waren an den nächsten Abnehmer in der Lieferkette verkauft. Der Mindestpreis wird nicht als Anteil des endgültigen Einzelhandelspreises berechnet.

Fairtrade Max Havelaar erachtet es als entscheidend, unsere Kosten für Lebensmittel in Relation zum spärlichen Einkommen der Menschen zu betrachten, die sie anbauen. Wir sind überzeugt, dass Konsumentinnen und Konsumenten ihre Schokolade nicht auf Kosten anderer Menschen und deren Armut geniessen wollen.