Fairtrade-Produkte legen über 13 % zu

Während der Schweizer Detailhandel insgesamt stagniert, legen die Produkte aus dem fairen Handel weiter kräftig zu. 794 Millionen Franken haben Konsumentinnen und Konsumenten in der Schweiz 2018 für Produkte mit dem Label von Fairtrade Max Havelaar ausgegeben – das ist ein Wachstum von 13.4 %. Davon profitieren die Kleinbauern und Arbeitnehmerinnen in Entwicklungsländern: Unter anderem haben sie 11 Millionen Dollar Prämie erhalten. Im nächsten Schritt geht es Fairtrade nun darum, dass sie alle ein existenzsicherndes Einkommen erzielen können.

Kakaobäuerinnen der Kooperative SCKA. In der Côte d'Ivoire leisten Frauen im Kakaoanbau etwa zwei Drittel der Arbeit, besitzen aber nur ein Viertel der Kakaoanbauflächen. (Foto: Peter Caton)

Noch vor kurzem schien es ein utopisches Fernziel, dass der Pro-Kopf-Konsum von Fairtrade-Produkten in der Schweiz die 100-Franken-Marke knackt. Doch nachdem der Pro-Kopf-Konsum 2018 um weitere zehn Franken auf 93 Franken geklettert ist, rückt dieser Meilenstein in greifbare Nähe. Seit Jahren sind die Schweizer beim Pro-Kopf-Konsum von Fairtrade-Produkten Weltmeister! Geschäftsleiter Andreas Jiménez freut sich: «Ein solches kontinuierliches Wachstum des Konsums über mehrere Jahre ist ein klarer Beleg dafür, dass den Konsumentinnen und Konsumenten das Wohlergehen der Kleinbauernfamilien und Arbeiterinnen am Herzen liegt.» Auch beim Gesamtumsatz mit Fairtrade-Produkten (794 Millionen Franken) dürfte es eine Frage der Zeit sein, bis die Milliarden-Grenze erreicht ist.

Haupttreiber für das starke Umsatzwachstum 2018 waren Kaffee, Frischprodukte (wie exotische Früchte) und Backwaren. Die Röster haben vor allem das Angebot von Kaffeekapseln mit dem Fairtrade-Label ausgebaut. An der Spitze der Fairtrade-Produkte stehen Süsswaren (117 Millionen Franken), Bananen (110 Millionen Franken) und Getränke (99 Millionen Franken).

Zu den Kategorien, in denen Fairtrade-Produkte einen Marktanteil von über 30 % einnehmen, gehören Rohrzucker (95 %), Bananen (53 %), Ananas (34 %) und Säfte (31 %). Diese haben es definitiv aus der Nische geschafft. Kaffee und Schokolade verzeichnen neu Marktanteile von 11 %, respektive 7 %. Leicht rückläufig waren die Verkäufe der Schnittblumen. Schweizweit sind 2800 Produkte mit dem Fairtrade-Label erhältlich.

Neues Label mit gutem Start
2018 stand auch im Zeichen der Einführung des neuen Labels für Einzelzutaten. Dieses kommt in einem zum klassischen schwarzen Label klar differenzierten Weiss daher. Mit den Fairtrade-Rosen in gemischten Sträussen zum Muttertag waren erstmals Produkte mit diesem Label für Einzelzutaten erhältlich. Seither gewinnt das neue Fairtrade-Label an Bedeutung und macht vor allem dank der Verwendung für Schokolade bereits mehr als 10 % des Umsatzes aus. In den kommenden Monaten werden mehr und mehr zusammengesetzte Produkte mit dem neuen Label in den Verkaufsregalen zu sehen sein.

Der schwierige Weg zum sicheren Einkommen
Von diesen positiven Zahlen profitieren die Menschen in Entwicklungsländern. Viele der über 1.6 Millionen Kleinbauernfamilien und Angestellten im Fairtrade-System haben ein besseres Einkommen und gute Arbeitsbedingungen. Doch es gibt es nach wie vor Fairtrade-Produzenten, die in Armut leben. Dies zeigte zum Beispiel 2018 eine von Fairtrade International in Auftrag gegebene Studie über Kakaobauernfamilien in der Côte d'Ivoire. Mindestpreis und Fairtrade-Prämie alleine vermögen nicht überall eine genügend substanzielle Wirkung zu erzielen.

Deshalb arbeitet Fairtrade daran, zusammen mit anderen Akteuren des internationalen Handels, für mehrere Branchen Referenzwerte zu errechnen: Was wäre ein existenzsicherndes Einkommen für einen Kakaobauern in der Côte d’Ivoire? Und wie hoch muss der Lohn einer Blumenpflückerin in Ecuador sein, damit ihre Familie das ganze Jahr über ausreichend zu essen hat, ihre Kinder die Schule besuchen können und ein Notgroschen für Unerwartetes übrig bleibt?

Gleichzeitig zeigt Fairtrade den Weg auf, wie diese Referenzwerte erreicht werden können. Nicht überall besteht gleich grosser Handlungsbedarf: In einigen Ländern und Branchen ist die Lücke klein, in anderen braucht es hingegen mehrere Etappen, um existenzsichernde Löhne und Einkommen zu erreichen.

Damit eine Familie ein existenzsicherndes Einkommen erzielen kann, muss sie über eine angemessene Farmgrösse oder über mindestens eine Vollanstellung auf einer Plantage verfügen. Weitere wichtige Faktoren sind Produktivität, Diversifizierung und Anbaukosten.

Fairtrade ist kein Wundermittel
Bereits gibt es erste konkrete Massnahmen: Im Blumensektor hat Fairtrade einen «Floor Wage» (Mindestlohn) für Blumenfarmen in Äthiopien, Kenia, Tansania und Uganda definiert – woraufhin einige Gehälter bis zu 80 Prozent gestiegen sind. Bei den Bananen führt Fairtrade mit Partnern wegweisende Projekte für einen existenzsichernden Lohn durch. Kaffeebauern in sieben Ländern analysieren in einem Pilotprojekt ihr Potenzial, um Effizienz und Produktivität zu steigern. Und beim Kakao werden im Oktober weltweit der Fairtrade-Mindestpreis und die Fairtrade-Prämie um 20 Prozent steigen. «Das sind gute Neuigkeiten für die Menschen im Kakaoanbau in Westafrika,» meint Fortin Bley, ivorischer Kakaobauer und Vorsitzender von Fairtrade Afrikas westafrikanischem Produzentennetzwerk: «Der höhere Fairtrade-Mindestpreis und die höhere Prämie tragen dazu bei, den Weg in eine nachhaltigere Zukunft zu ebnen.»

Die anstehenden Herausforderungen in den Herkunftsgebieten sind gross. Für Andreas Jiménez, Geschäftsleiter der Max Havelaar-Stiftung, ist klar: «Fairtrade ist ein Prozess und kein Wundermittel. Um überall existenzsichernde Einkommen zu erreichen, braucht es Zeit – und das Engagement aller Beteiligten: von Regierungen, Händlern und Verarbeitern bis zu den Konsumentinnen und Konsumenten.»

Max Havelaar in Kürze
Wer Produkte mit dem Label von Fairtrade Max Havelaar kauft, ermöglicht Kleinbauernfamilien und Angestellten in Entwicklungsländern ein besseres Einkommen und gute Arbeitsbedingungen. Diese erhalten einen stabilen Preis und zusätzlich eine Fairtrade-Prämie sowie Beratung vor Ort. Einen Teil des Verkaufserlöses investieren sie in Projekte, die der ganzen Gemeinschaft zu Gute kommen – wie in den Bau von Brunnen, Schulen und Spitälern.

Gegründet wurde Fairtrade Max Havelaar 1992 von den Hilfswerken Brot für alle, Caritas, Fastenopfer, HEKS, Helvetas und Swissaid. Von Bananen aus Peru über Kaffee aus Äthiopien bis hin zu Reis aus Indien – heute gibt es in der Schweiz 2800 Produkte mit dem Label von Fairtrade Max Havelaar zu kaufen. Für alle diese Produkte gelten die strengen Fairtrade-Standards bezüglich Anbau, Arbeiterrechten, Verarbeitung und Handel.

Weitere Informationen:
Patricio Frei, Mediensprecher Deutschschweiz, p.frei@maxhavelaar.ch, +41 44 278 99 17
Luca Puliafito, Mediensprecher Romandie, l.puliafito@maxhavelaar.ch, +41 44 278 99 21