04.02.2002
Bereits tragen mehr als acht Prozent aller direkt aus Südländern importierten Rosen das Max Havelaar-Gütesiegel. Die Blumen aus fairem Handel waren im Frühling 2001 von der Max Havelaar-Stiftung mit den Partnern Blume3000, Coop, Migros und Volg auf dem Schweizer Markt lanciert worden. Dank des Erfolges konnten Arbeiterinnen im Süden bereits erste Projekte zur Verbesserung ihrer Lebenssituation realisieren.
Das jüngste Max Havelaar-Produkt entspricht offensichtlich einem Bedürfnis der Konsumentinnen und Konsumenten. Zwischen April und Dezember 2001 wurden rund 1,2 Millionen Bund Rosen mit dem Gütesiegel des fairen Handels verkauft. Anfangs waren hauptsächlich kurzstielige Rosen aus Kenia und Simbabwe im Sortiment. Im Spätsommer kamen auch afrikanische Rosen mit längeren Stielen dazu. Im Jahresverlauf wurde ein Produzent aus Sambia neu zertifiziert. An der Einbindung von Farmen in Ecuador wird weiterhin gearbeitet. Verzögernd wirken sich dabei die Vorbehalte der Farmbesitzer gegenüber der Organisationsfreiheit der Arbeiterschaft aus. Diese wird in den internationalen Standards des fairen Handels vorausgesetzt. Rosen aus Ecuador sind wichtiger Bestandteil des Floristensortiments. Ein entsprechendes Max Havelaar-Angebot wird demnach erst erhältlich sein, wenn es gelingt, lateinamerikanische Produzenten zur Einhaltung aller Kriterien des fairen Handels zu verpflichten.
Ein Teil des Verkaufspreises der Blumen fliesst als so genannte Fair-Trade-Prämie direkt zurück zu den Farmen, auf ein separates Konto. Damit realisieren die Arbeiter Projekte, die ihre Lebenssituation verbessern sollen. Jede Farm hat ein gemischtes Komitee aus Vertretern der Arbeiterschaft und Delegierten des Managements gebildet. Sie diskutieren mögliche Projekte und legen gemeinsam die Prioritäten fest. Das setzt gegenseitiges Vertrauen voraus, für alle Beteiligten eine grosse Herausforderung. An die 17 bisher von Max Havelaar zertifizierten Farmen mit ihren total mehr als 8000 Arbeiterinnen und Arbeitern – es sind mehrheitlich Frauen wurden bis Ende 2001 über 300‘000 Franken Fair-Trade-Prämien überwiesen.
Die kleineren und grösseren Projekte widerspiegeln unterschiedliche Farmrealitäten und die dringendsten Bedürfnisse der Arbeiterschaft. Sie reichen von der Erschliessung des Grundwassers zum Ausbau der Wasserversorgung, von Preisen für Hygiene im Haushalt bis zur Erweiterung der Klinik oder vom Stromanschluss für die Schule bis zur Strassenbeleuchtung im Dorf. Den Familien sollen die Vergrösserung der Kinderkrippe, zusätzliche Klassenzimmer, die Übernahme von Schulgebühren oder Stipendien zugute kommen. Aber auch Nähmaschinen zur Fertigung von Kleidern oder Transportmittel wie Fahrräder sind wichtige Anliegen der Arbeiter. Das Max Havelaar-Projekt für Blumen ist jung. So stecken die meisten der Projekte in der Planungsphase oder die Umsetzung hat eben erst begonnen.
Der faire Handel ist ein langfristiger Prozess. Die ersten Erfahrungen im Blumenbereich ermutigen. Nicht zu unterschätzen sind aber die in den Herkunftsländern der Südblumen über Jahrzehnte gewachsenen hierarchischen Strukturen. Arbeiterschaft und Management der zertifizierten Betriebe sind stark gefordert, wenn es darum geht, gemeinsame Grundlagen für eine offene und vertrauensvolle Kommunikation zu erarbeiten. Aus diesem Grund werden die gemischten Komitees von professionellen Vertreterinnen von Max Havelaar vor Ort unterstützt. Auch politische Unruhen, etwa in Simbabwe, können die Farmen in ihrer Existenz bedrohen. Damit der Verbesserungs- und Demokratisierungsprozess aber weiter vorangetrieben werden kann, braucht es überzeugte Konsumentinnen und Konsumenten, die bereit sind, nicht nur für Kaffee, Tee, Schokolade, Zucker, Honig, Bananen und Orangensaft, sondern auch für Blumen etwas mehr zu bezahlen.
Für weitere Auskünfte:
www.maxhavelaar.ch (Text- und Bildmaterial) oder Telefon: 061-271 75 00
Caterina Meier-Pfister, Leiterin Kommunikation / Markus Staub, Produkteverantwortlicher Blumen
Medienmitteilung (Word, 336 KB)
Medienmitteilung (PDF, 83 KB)