Interview mit Ana Ascencio und ihrer Tochter Cleide Aparecida, Orangenpflückerinnen aus Paranavaí, Staat Paraná, Brasilien
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Max Havelaar-Stiftung: Wie viele Familien wohnen auf diesem Grundstück?
Ana Ascenio (AA): Insgesamt wohnen auf diesem Flecken drei Familien. Dies sind 10 Leute. In diesem Haus leben wir zu dritt. Ich, meine beiden Töchter und der Sohn von Cleide.
Wie sieht ein normaler Arbeitstag für Sie aus?
AA: Wir stehen um fünf Uhr morgens auf. Wir nehmen ein kleines Frühstück ein, bereiten unser Mittagessen vor und nehmen es auf die Plantage mit. Danach gehen wir zum Besammlungsplatz, wo uns der Bus um 6 Uhr abholt. Meine zweite Tochter hütet tagsüber das Haus. Der Bus fährt uns zur Plantage, wo wir dann den ganzen Tag Orangen pflücken. Am Mittag essen wir unseren mitgebrachten Lunch. Normalerweise arbeiten wir bis fünf Uhr abends. Um ca. sechs Uhr sind wir dann wieder zuhause. Da essen wir dann zu Abend, schauen etwas fern und gehen bald schlafen.
Seit wann arbeiten Sie und ihre Tochter auf den Orangenplantagen?
AA: Seit drei Jahren.
Wann wurden Sie das erste Mal als Pflückerinnen offiziell registriert?
AA: Vor zwei Jahren wurden wir das erste Mal eingeschrieben, dieses Jahr das zweite Mal.
Arbeiten Sie jedes Jahr für denselben Orangenproduzenten?
AA: Nein, letztes Jahr war es ein anderer als dieses Jahr.
Dank den Fairtrade-Prämien konnten Sie einen neuen Hausteil verwirklichen. Mit der Prämie wurde das Baumaterial bezahlt, während Sie die Arbeit selbst leisteten. Ist dies für Sie der wichtigste Nutzen aus dem fairen Handel?
AA: Dies war für uns wirklich ganz wichtig. Doch wir konnten auch von verschiedensten Kursen profitieren: Kurse über Brotbacken, Lebensmittelkonservierung, Stoffverarbeitung, Käse- und Jogurtherstellung sowie Vereinswesen. Im letzten Kurs haben wir gelernt, uns in einer Vereinigung zu organisieren, um gemeinsam Projekte umzusetzen. Wie zum Beispiel ein Stück Land kaufen, um selbst etwas anzupflanzen. Dies ist wirklich eine sehr sinnvolle Sache für uns. Diese Kurse, realisiert durch die Fair-Trade-Prämien, ermöglichen uns, Alternativen aufzubauen und auch ausserhalb des Pflückens etwas Geld zu verdienen. Sonst hätten wir kaum Möglichkeiten, ausserhalb der Erntezeit eine Arbeit zu finden.
Heisst das, dass es ausser dem Orangenpflücken fast keine Arbeitsmöglichkeiten in der Region gibt?
AA: Das ist richtig. Es ist sehr schwierig, andere Arbeit zu finden.
Und was erhofften Sie sich von den anderen Kursen?
AA: Zur Zeit der Ernte können wir noch nicht viel machen. Doch danach, im November, möchte ich Brot backen und dieses dann verkaufen. Wir möchten dann auch Stoffe besticken und zum Verkauf anbieten.
Was sind Ihre Wünsche für die Zukunft?
AA: Ich wünsche mir, selbst einmal etwas Land zu besitzen und zu bebauen. Doch dies ist heute noch sehr schwierig, da das meiste Land in den Händen von wenigen Besitzern liegt.
Wenn Sie eine Nachricht für die Konsumenten des Orangensafts in Europa hätten, was wäre diese?
AA, CA: Dass sie noch viel mehr Fairtrade-Orangensaft konsumieren sollen, denn wir profitieren sehr von den Prämienprojekten. Die Qualität unserer Früchte ist exzellent. Wir kennen den Anbau der Orangen und haben auch die Verarbeitung in der Fabrik gesehen.