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Kakao aus Afrika: Keine Patentlösungen gegen Kinderarbeit

«Die Wertschöpfung dieses Geldes ist enorm. Die Kooperative Kavokiva im Westen der Côte d’Ivoire zum Beispiel konnte dank den Fairtrade-Prämien ein eigenes kleines Gesundheitszentrum aufbauen»

Das Land mit dem klingenden Namen Côte d’Ivoire leidet unter dem schlechten Ruf der Kinderarbeit. Wir haben auf unserer Reise viele Kakaobauern auf dieses Thema angesprochen. Ausnahmslos alle Eltern wollen, dass ihre Kinder in die Schule geben. Denn sie wissen, dass Bildung für ihre Kinder das Tor zu einer besseren Zukunft ist. Aber: Nebst den Gesundheitskosten ist das Schulgeld einer der grössten Ausgabeposten der Kakaobauern in der Côte d’Ivoire. Der ivorische Staat ist in den Schulen auf dem Land praktisch inexistent. So kommt es, dass die Eltern nicht nur das Schulhaus finanzieren, sondern auch noch den Lehrer bezahlen.

Bessere Lebensbedingungen in den Dörfern dank Fairtrade-Prämie
Fairtrade-zertifzierte Kooperativen kaufen den Bauern den Kakao zu einem stabilen Preis ab. Die Mitglieder der Kooperative sind dort „zuhause“ und erhalten Unterstützung im Anbau. Die Kooperative bekommt pro verkaufte Tonne Fairtrade-Kakao eine Prämie von 150 US-Dollar. Die Wertschöpfung dieses Geldes ist enorm. Die Kooperative Kavokiva im Westen der Côte d’Ivoire zum Beispiel konnte dank den Fairtrade-Prämien ein eigenes kleines Gesundheitszentrum aufbauen, und die Mitglieder haben eine Krankenversicherung. In vielen Dörfern wurden mit Hilfe der Bewohner Brunnen gebaut oder die Schulhäuser verbessert. Ich war beeindruckt, wie mit wenig Mitteln viel bewirkt werden kann, wenn man die lokalen Kooperativen einbindet und stärkt, wie das der Fairtrade-Ansatz tut.

Der Handel könnte viel mehr tun
Es ist einfach, ein Verbot von Kinderarbeit zu fordern. Wenn die Mädchen aber kilometerweit gehen müssen, um Wasser zu holen, oder wenn es gar keine Schulen gibt, bleiben Initiativen, welche die Bekämpfung der Kinderarbeit fordern, leerer Buchstabe. Kinderarbeit kann nur systematisch eingedämmt werden, wenn sich die Lebenssituation der Kleinbauern verbessert, indem die Konzerne für die Rohstoffe aus dem Süden einen gerechten Preis bezahlen.
Schweizerinnen und Schweizer sind Weltmeister im Schokoladeessen. Wie kann es da sein, dass die Lebensbedingungen der Kakaobauern in Westafrika so wenig Beachtung finden? Wenn sich ein Schweizer Schokolade-Unternehmen mit einem Volumen von rund 10'000 Tonnen voll zu Fairtrade bekennen würde, hätten 50'000 Menschen in Westafrika ein besseres Leben. Allein die Prämie von fünf Tonnen Fairtrade-Kakao würde die Einstellung eines Lehrers für ein ganzes Jahr ermöglichen.
Auf internationaler Ebene haben erste Konzerne ein Zeichen gesetzt: Der beliebteste englische Schokoriegel „Cadbury Dairy Milk“ trägt seit kurzem das Fairtrade-Label. Welche grosse Schweizer Schokolademarke macht den ersten Schritt?

Bernhard Herold, Leiter Qualität und internationale Zusammenarbeit, Max Havelaar-Stiftung (Schweiz)
 

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