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«„Ich wurde bei allen drei Kooperativen sehr herzlich empfangen und war beeindruckt davon, wie gut die Bauern in der Kooperative organisiert sind und wie sie sich auch gegenseitig kräftig unterstützen.» |
| Irene Meier, Max Havelaar-Stiftung (Schweiz) |
In ihrer Funktion als Produktverantwortliche für Kakao und Zucker bei Max Havelaar ist Irene Meier in den letzten 12 Monaten in zwei wichtige Fairtrade-Kakao-Anbaugebiete gereist: Im Oktober 2008 nach Peru und im Mai 2009 nach Westafrika (Ghana und Elfenbeinküste).
Peru ist weltweit gesehen ein kleiner Lieferant für Kakao, die Qualität des Kakaos hat aber einen sehr guten Ruf und wird oft für Spezialitätenschokoladen verwendet. In Peru gibt es auch mehrere Kakao-Kooperativen, welche seit mehreren Jahren Fairtrade-zertifiziert sind. Irene Meier besuchte auf ihrer zwölftägigen Reise die Kooperative Acopagro in der Region San Martín sowie die beiden Kooperativen Cacvra und El Quinacho im Valle Rio Apurimac. „Ich wurde bei allen drei Kooperativen sehr herzlich empfangen und war beeindruckt davon, wie gut die Bauern in der Kooperative organisiert sind und wie sie sich auch gegenseitig kräftig unterstützen. Zum Beispiel bei der Ernte der Kakaofrüchte helfen sich die Nachbarn untereinander aus, um die aufwändige Arbeit bewältigen zu können.
Der Weltmarktpreis bei Kakao ist zum Glück seit mehreren Monaten sehr hoch, die Bauern profitieren auch davon. Die Fairtrade-Prämiengelder, welche sie zusätzlich für Gemeinschaftsprojekte erhalten, werden zu einem Grossteil in die Qualitätsteigerung ihres Kakaos investiert: in zentrale Anlagen, in welchen der Kakao einer ganzen Region fermentiert und getrocknet wird (beide Prozesse sind äusserst wichtig für die Qualität des Kakaos), aber auch Schulungen der Kakaobauern, damit sie ihren Kakao noch besser pflegen können. Die Bauern dieser Kooperativen sind sich bewusst, dass auch Fairtrade-Kakao nur durch gute Qualität auch Abnehmer findet. Der Besuch dieser Kooperativen hat mir die Auswirkungen von Fairtrade schön aufgezeigt und mich in meiner Arbeit bei Max Havelaar bestätigt.
Die Reise nach Ghana und in die Elfenbeinküste im vergangenen Mai hat mich aber auch sehr nachdenklich gestimmt. Ghana und die Elfenbeinküste zusammen liefern fast 60% des weltweiten Kakaovolumens. Schokolade ist ein Luxusgut und der Kakao-Weltmarktpreis war noch selten so hoch wie in diesen Monaten. Wie kann es sein, dass die Bauern, die ein so wertvolles Gut anbauen, in solcher Armut leben müssen?“
Sowohl Ghana als auch die Elfenbeinküste verfügen über grosse Volumen an Fairtrade-zertifiziertem Kakao. Mangels Nachfrage seitens der Schokoladenhersteller kann leider bisher nur ein kleiner Anteil davon auch unter fairen Bedingungen verkauft werden. Irene Meier besuchte die Fairtrade-zertifizierte Kooperative Kuapa Kokoo in Ghana und in der Elfenbeinküste die Kooperativen Kavokiva, Uirevi und Coopaya. Kuapa Kokoo und Kavokiva sind beide seit einigen Jahren Fairtrade-zertifiziert und konnten auch bereits Kakao unter fairen Bedingungen verkaufen, im Gegensatz zu den beiden anderen Kooperativen, welche erst seit März 2009 zertifiziert sind. „Der Unterschied, den Fairtrade für diese Kakaobauern macht, ist klar ersichtlich: Die Kooperativen stärken die sozialen Strukturen und ermöglichen ihnen eine viel bessere Verhandlungsposition beim Verkauf ihres Kakaos. Die Fairtrade-Prämiengelder, welche durch die Fairtrade-Verkäufe in die Kooperativen zurückfliessen, werden häufig in die Trinkwasserversorgung der Bauern investiert, aber auch in sanitäre Anlagen, Schulen, Kosten für Lehrer und so weiter. In der Elfenbeinküste, wo die politisch immer noch instabile Lage und die schwierige Marktsituation (Dominierung des internen Kakaomarkts durch Zwischenhändler) die Arbeit der Kakaobauern zusätzlich erschwert, wurde mit der Fairtrade-Prämie für die Kakaobauern von Kavokiva ein Gesundheitszentrum und eine Krankenversicherung aufgebaut – eine absolute Ausnahme in der Region! Von diesen Prämienprojekten profitieren aber nicht nur die Kakaobauern, sondern das ganze Dorf und je nach Projekt die ganze Region. Solche Beispiele haben mir deutlich gemacht, wie wichtig Fairtrade für die Bauern als Instrument zur Bekämpfung ihrer Armut ist. Es gibt noch viel zu tun für uns, vor allem in Westafrika, aber auch in den anderen Kakao-Anbauländern. Ich bin mit einem Rucksack voller Aufgaben zurückgekommen – aber auch hoch motiviert!“