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«Ohne den fairen Handel hätte mein Vater keine Möglichkeit gesehen, uns eine gute Schulbildung zu ermöglichen.» |
| Celine Herrera |
So ein Leben aus dem Koffer, in Hotelzimmern, mit dem Laptop auf dem Schoß – davon hat sie immer geträumt. „Ich bin in einfachen Verhältnissen aufgewachsen. Wir hatten immer genug zu essen. Aber unsere Familie hat über Generationen hinweg, wie alle anderen in unserem Dorf, immer nur Kaffee angebaut, und wenn der Weltmarktpreis sank, wussten wir nicht, wie es weitergehen sollte“, erzählt die junge Frau.
1979 sollte für die Karibikinsel Hispaniola wie auch für Celine Herrera und ihre Familie ein Schicksalsjahr werden: Ende August überquerte Hurrikan David die Insel und hinterließ eine Spur der Vernichtung. Es war einer der tödlichsten Hurrikans in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, dem offiziell über 2.000 Menschen zum Opfer fielen und der rund 200.000 Einwohner der Dominikanischen Republik obdachlos machte. „Erst kam der Sturm, dann die sintflutartigen Regenfälle. Der Fluss, an dem unser Dorf liegt, trat über die Ufer und riss alles mit sich – Häuser, Menschen, die Kaffeepflanzen“, erzählt sie, „es war ein schrecklicher Tag, aber es war auch ein Neubeginn. Mein Vater appellierte an 24 andere Kaffeebauern, zusammen zu arbeiten und sich gegenseitig zu helfen. So wurde die Kooperative „La Esperanza“ geboren, was „Hoffnung“ heißt. Heute umfasst die Kooperative rund 934 Mitglieder. Durch die Hilfsorganisationen, die nach dem Hurrikan ins Land kamen, konnte mein Vater Kontakte nach Mexiko, Großbritannien und Holland knüpfen und schloss sich Fairtrade an.“
Für die Familien der Kooperative bedeutete dies eine stabile und faire Belohnung für die harte Arbeit in den Plantagen und die Möglichkeit, in ihrem Dorf die Infrastruktur dank der Fairtrade-Prämie Stück für Stück wieder aufzubauen. Für Celine und ihre Geschwister bedeutete es vor allem, dass ihr Vater ihnen immer wieder einbläute: „Das Wichtigste im Leben ist Bildung“. Alle halfen sie in den Kaffeefeldern, aber alle fünf bekamen eine gute Ausbildung: „Ich hatte das Glück, ein zweijähriges Stipendium für den Studiengang „Business Administration for Agriculture“ in Reedley in Kalifornien zu bekommen. Ohne den fairen Handel wäre das nicht möglich gewesen, ohne den fairen Handel hätte mein Vater keine Möglichkeit gesehen, uns eine gute Schulbildung zu ermöglichen.“
Die Zeit im fernen Amerika, auch eine Zeit der Tränen: „Klar habe ich meine Familie vermisst, ich war ja erst 19 Jahre alt. Ob zu Weihnachten oder an meinem Geburtstag – wir konnten uns nur Briefe schreiben und manchmal fühlte ich mich sehr allein. Aber ich wusste, dass das Studium mir und ihnen hilft, also habe ich mich durchgebissen und viel gelernt“, berichtet Celine. Zurück in Santo Domingo, was eine Zweistunden-Reise entfernt ist von Los Cacaos, arbeitete sie für zwei Jahre als Bürokauffrau. Damit konnte sie nun ihrerseits ihrem jüngeren Bruder ein Studium finanzieren. Danach ging Celine zurück zu ihrer Familie und übernahm die Qualitätssicherung und die Projektleitung für die Fairtrade-Zertifizierung ihrer Kooperative „La Esperanza“. Sie verhandelte mit den Kaffee-Managern und kam in Kontakt mit Oxfam und anderen NGOs. Erneut bekam sie ein Stipendium angeboten, dieses Mal von der „Neumann Kaffee Gruppe“ in Hamburg. Nun erlebte sie die Welt des Kaffees von der „anderen Seite des Schreibtischs“ und reiste mit Neumann-Managern durch Costa Rica, Brasilien und die Schweiz. Aber auch in der Zentrale in Hamburg bekam sie wertvolle Einblicke in den Alltag eines Kaffee-Dienstleisters dieser Größe.
Nach dem erfolgreichen Absolvieren mehrerer Tests erhielt Celine Herrera schließlich ihr „International Coffee Diploma“ und arbeitete danach für die „Speciality Coffee Association of the Dominican Republic“.
Seit August 2009 arbeitet Celine nun im FLO-Büro in Costa Rica und konzentriert sich ganz darauf, einen „global coffee plan“ auszuarbeiten – auf Basis ihres fundierten Wissens zum Kaffeemarkt. „Ich bin dabei eine Datenbank anzulegen für ein eigenes FLO Klassifizierungssystem“, erklärt Celine. Zu ihren Aufgaben gehört es aber auch, Vertragsfehler mit den Kooperativen oder Produzenten sowie lokale Marktprobleme zu lösen. Und natürlich hat sie die ständigen Schwankungen auf dem Weltmarkt vor Augen und versucht auszutarieren, inwieweit dies den Wettbewerb beeinflusst.
Bei all dem ist sie sich über ihre Herkunft im Klaren und ist stolz auf den Weg, den sie gemacht hat: „Dank dem fairen Handel haben Menschen wie ich die Möglichkeit in Positionen zu kommen, die uns während Jahrhunderten vorenthalten waren.“