
In den Kaffeeplantagen der Max Havelaarzertifizierten Kooperative San Pedrana herrscht Hochbetrieb. Von Oktober bis Januar ist Erntezeit. Die feuerroten Kirschen der Kaffeesträucher leuchten in der Morgendämmerung und wollen gepflückt sein. Da die Kirschen des Kaffeestrauches nicht gleichzeitig reif werden, müssen die Kaffeehaine während vier Monaten immer wieder nach reifen Beeren durchkämmt werden. „Für eine gute Kaffeequalität dürfen die Früchte weder zu früh noch zu spät geerntet werden“, erklärt Luis Ajar Umul.
Der 75-jährige Kaffeebauer gehört zu den Gründungsmitgliedern der 1968 ins Leben gerufenen Kleinbauernkooperative und hat die Höhen und Tiefen der Kooperative miterlebt. Bevor diese Fairtrade-zertifiziert wurde, wussten die Kaffeebauern nie genau, welchen Preis sie für ihre Ernte erhalten würden. Wurde der Kaffee an den Börsen zu einem tiefen Preis gehandelt, konnten sie mit dem Erlös der Ernte kaum ihre Produktionskosten decken. Zudem waren sie, mangels direkter Handelsbeziehungen, gezwungen, ihren Kaffee an Zwischenhändler zu verkaufen, die den Preis zusätzlich drückten. In den 80er Jahren entging die Kooperative nur knapp dem Konkurs.
Heute geht es den Kaffeebauern von San Pedrana wesentlich besser. Als Mitglied der Dachorganisation Fedecocagua verfügen sie über direkte und verbindliche Handelsbeziehungen. Sie erhalten für ihren Kaffee einen garantierten Mindestpreis, der ihre Produktionskosten deckt und Investitionen in die Zukunft erlaubt. Dazu bekommen sie eine Fairtrade-Prämie für eigene Projekte, die der ganzen Region zugute kommen.
Welche Projekte mit dem Geld realisiert werden, entscheiden die Bauern gemeinsam und demokratisch. San Pedrana setzte das Prämiengeld für die Renovation einer Kaffeeaufbereitungsanlage ein sowie für den Bau einer Schule und einer Apotheke. In der Apotheke können nicht nur die Mitglieder der Kooperative Medikamente zu vergünstigten Preisen beziehen, sondern die ganze Dorfgemeinschaft. Beraten werden sie von der Pharmaassistentin Alicia Xinic Cos. Die 29-jährige Mutter von drei Kindern hat derzeit alle Hände voll zu tun. Nach Erledigung ihrer Arbeit zu Hause und in der Apotheke hilft sie in der Kooperative beim Pflücken der Kaffeekirschen mit. Um einen
Qualitätsverslust zu vermeiden, müssen die Kaffeekirschen nach der Ernte umgehend verarbeitet werden. In der Aufbereitungsanlage der Kooperative werden sie gewogen, gewaschen, fermentiert, entpulpt und getrocknet, bevor der Rohkaffee in die Trockenmühle der Dachorganisation Fedecocagua nach Palin transportiert wird. Hier werden die Kaffeebohnen kontrolliert, geschält, sortiert, und für den Export vorbereitet.
Der faire Handel hat die Kooperativen von Fedecocagua konkurrenzfähiger gemacht, nicht zuletzt dank der erzielten Fairtrade-Prämien, die in den Ausbau und die Verbesserung der Infrastruktur der Kaffeeaufbereitungsanlagen investiert wurden. Dadurch konnte die Qualität der Ernte verbessert und damit das Einkommen der Bauern erhöht werden.
Die durchschnittliche Jahresernte der Kooperative San Pedrana beträgt 124 Tonnen Rohkaffee, der von Hand gepflückt werden muss. Für vorweihnachtliche Mussestunden bleibt da keine Zeit, für Vorfreude schon. Alicia Xinic Cos wird Weihnachten wie immer mit ihrer gesamten Familie feiern. Und wie jedes Jahr, werden die Frauen das typisch guatemaltekische Weihnachtsessen Tamales zubereiten, Teigtaschen aus Mais mit einer Füllung aus Gemüse und Fleisch. Weihnachtsgeschenke wird es zwar keine geben, dafür aber ein Feuerwerk, wie dies in Guatemala üblich ist. Weihnachtsgeschenke spielen auch im Leben von Luis Ajar Umul keine grosse Rolle. Er ist stolz auf seinen Kaffee. Für ihn ist es deshalb das grösste Geschenk, wenn die Menschen in der Schweiz und Europa seinen Kaffee kaufen, so dass er weiterhin als Kaffeebauer arbeiten kann.