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«Ein solcher Besuch durch einen Partner bei den Produzenten ist für beide Seiten ungemein bereichernd. Hoffentlich gibt es bald weitere Nachahmer!» |
| Martin Blaser |
Als Produktverantwortlicher für Bananen bei der Max Havelaar-Stiftung besuchte ich im September 2009 „meine“ Bananen-Produzentenorganisationen in Ecuador und Peru, wo über 90 % der Bananen mit dem Max Havelaar-Gütesiegel angebaut und für den Schweizer Markt verladen werden.
Nach dem Besuch zweier langjähriger Fairtrade-Bananenproduzentengruppen in Machala/Ecuador bestieg ich den Bus und fuhr 350 Kilometer Richtung Süden. Nach einer stundenlangen Fahrt durch den Norden Perus, begleitet vom Blau des Ozeans auf der rechten Fahrseite und von hügeligen ausgetrockneten Landschaften auf der linken, änderte sich kurz vor der peruanischen Kleinstadt Sullana das Bild schlagartig. Wie eine Oase wird plötzlich alles grün, satte Reisfelder wechseln sich mit kleinen Bananenfeldern ab, oftmals umsäumt mit Kokospalmen. Grund dafür ist ein Bewässerungssystem, welches Wasser aus den entfernten niederschlagsreichen Gebirgszügen der Anden heranleitet. Dieses Wasser wird dann für den Anbau von Reis und Bananen verwendet.
Seit 40 Jahren werden rund um Sullana auf unterdessen rund 4'000 ha Bananen angebaut. Früher nur für den Lokalmarkt, seit rund 10 Jahren verstärkt für den Export. Die Bananen aus Sullana sind sehr begehrt in Europa, da die Qualität ausgezeichnet und mittlerweile fast die gesamte Produktion Bio-zertifiziert ist. Zudem hat auch ein Grossteil der Produzenten die Fairtrade-Zertifizierung. Nach jahrelangem Darben und schlechten Preisen auf dem Lokalmarkt ein wichtiger Hoffnungsschimmer für die Bauern.
Rund 3'000 Kleinbauern bebauen ihr eigenes kleines Bananenfeld, mit durchschnittlich nur 1,3 Hektar. Seit einigen Jahren sind fast alle Bauern in über einem Dutzend Kooperativen organisiert und vor 7 Jahren wurde die erste dieser Kooperativen Fairtrade zertifiziert. Mittlerweile sind es bereits 10 Fairtrade-Kooperativen, denen insgesamt über 2'000 Kleinbauern angeschlossen sind. Dies bedeutet ein Produktionsvolumen von rund 50'000 Tonnen Fairtrade-Bananen im Jahr, was illustriert, dass auch Kleinbauern zu einem schwergewichtigen wirtschaftlichen Faktor werden können, wenn sie sich organisieren und koordiniert vermarkten.
Die Bande zwischen den Bananeros in Sullana und der Schweiz sind sehr eng, unter anderem weil der Schweizer Markt seit über 6 Jahren jede Woche Bananen aus Peru importiert und so ein wichtiger Ansprechpartner für die Produzenten wurde. Mit der Zertifizierung durch Fairtrade hat sich vieles verändert. Zu Beginn gab es primär unorganisierte Bauern, welche den Launen der Exporteure vollständig ausgeliefert waren. Heute jedoch exportieren selbstbestimmte Kooperativen bereits einen Teil ihrer Produktion selber und kontrollieren die gesamte Wertschöpfung – von der Ernte über den heiklen Verpackungsprozess bis zum Verlad der Bananen auf die Containerschiffe. Eine rasante Entwicklung. Die Dynamik war so gross, dass noch einige neue Verantwortlichkeitsbereiche der Kooperativen optimiert werden müssen. Aber mit dem an den Tag gelegten Enthusiasmus dürfte dies bald geregelt sein.
Eine Besonderheit meines Besuches war, dass sowohl Vertreter der Migros wie auch die Importeure vor Ort waren und sich somit die gesamte Handelskette vom Anbau bis zum Verkauf im Laden traf. Die Migros-Delegation wollte sich vor Ort selber ein Bild machen, denn Peru ist für sie die wichtigste Herkunft ihrer Fairtrade-Bio-Bananen. Ein solcher Besuch durch einen Partner bei den Produzenten ist für beide Seiten ungemein bereichernd. Hoffentlich gibt es bald weitere Nachahmer!