18.09.2008
Auf dem Land herrscht in Indien nach wie vor grosse Armut. Der faire Handel verbessert die Lebensbedingungen und schafft Perspektiven. Fairtrade-Produkte aus Indien verkaufen sich immer besser.
Indien zählt zu den Fokusländern des fairen Handels und bietet eine breite Palette an Rohstoffen in Fairtrade-Qualität. In der Schweiz sind es zurzeit: Reis, Tee, Baumwolle, Blumen, Nüsse und handgeknüpfte Teppiche. Basmatireis und Rohbaumwolle erleben derzeit zweistellige Wachstumsraten. Die Max Havelaar-Stiftung nimmt das 60-Jahr-Jubiläum der Freundschaft Schweiz-Indien zum Anlass, um über Fairtrade in Indien zu informieren.
Fairtrade-Produzenten sind besser organisiert
Rund 2200 indische Reisbauern konnten dank Fairtrade ihre Exporte steigern und ihre Stellung auf dem Weltmarkt verbessern. Neben garantierten Mindestpreisen und einer Fairtrade-Prämie profitieren die Kleinbauern von einer fachlichen Unterstützung durch lokale Experten, sogenannte „Promoting Bodys". Reisbauer Tirth Pal Sing, Präsident der „Federation of Small Farmers of Khaddar", Mukesh Sharma, Fairtrade-Experte der Exportfirma Sunstar Overseas Ltd. und Mayank Srivastava, Ländervertreter Indien von Label STEP, berichten an der heutigen Pressekonferenz von der Situation vor Ort. Das Fazit von Mukesh Sharma, indischer Fairtrade-Experte: „Dank Fairtrade konnten wir die Produktion steigern und die Qualität des Reises verbessern. Die Bauern der Region sind nun viel besser organisiert und packen ihre Probleme gemeinsam an."
Basmatireis boomt
Die Khaddar-Region mit ihren mineralienreichen Flusszuläufen aus dem Himalaya bietet ideale Bedingungen für den Anbau von Basmatireis. Dieser ist in der Schweiz sehr beliebt: Der Fairtrade-Absatz hat sich innert drei Jahren mehr als verdreifacht von 176 auf 610 Tonnen. Dies im Gegensatz zum stagnierenden Schweizer Reismarkt. Durch den Verkauf von Basmatireis in der Schweiz floss bisher ein Prämienvolumen von 46’860 Euro in die Region. Die Fairtrade-Prämie wurde von den Bauern u.a. in Brücken, Bewässerungsdämme und Schulhäuser investiert. Dazu Reisbauer Sing: „Früher mussten wir nach jeder Ernte mit dem Reis auf dem Kopf durch einen Kanal waten", sagt er. „Doch jetzt, dank einer neuen Brücke, ist das nicht mehr nötig. Wir wollen auch noch die schmale Strasse zu unseren Feldern pflastern."
Teppichknüpfen als Nebenerwerb für Kleinbauern
Indien ist mit einem Exportvolumen von 875 Mio. USD der grösste Teppichhersteller der Welt. Wichtigstes Zentrum der Teppichindustrie ist der so genannte Teppichgürtel im nordindischen Bundesstaat Uttar Pradesh. Rund 85% der indischen Knüpfer sind Kleinbauern, die in der Freizeit oder in der Nebensaison Teppiche in Heimarbeit knüpfen. Diese Tätigkeit bietet vielen Familien ein überlebenswichtiges Zusatzeinkommen.
Label STEP setzt sich seit 1996 gemeinsam mit dem Handel und Exporteuren in Indien für faire Löhne, gute Arbeitsbedingungen und gegen missbräuchliche Kinderarbeit ein. Die Zahl der von Label STEP unterstützten indischen Teppichknüpfer hat sich in den letzten fünf Jahren mehr als verdoppelt. Zurzeit arbeiten 5’000 Personen für 11 Label STEP-Handelspartner in der Schweiz, Österreich, Frankreich und Deutschland. Begleitend zu den Kontrollen führt Label STEP Projekte zugunsten der Knüpferinnen und deren Familien durch. Seit 1996 wurden in Indien 700'000 CHF in die Bereiche Gesundheitsversorgung, Schulen und Erwachsenenbildung investiert.
Max Havelaar-Wochen in der ganzen Schweiz
Vom 22. September bis 5. Oktober 2008 finden bereits zum 11. Mal die beliebten „Max Havelaar-Wochen statt. Dieses Jahr zum ersten Mal in der ganzen Schweiz. Max Havelaar-Marktpartner fördern den Absatz von Fairtrade mit besonderen Aktivitäten und Angeboten. Dieses Jahr sind es insbesondere Claro, Coop, Fleurop, Manor, Starbucks und Switcher, die ihren Kunden spezielle Promotionen oder Aktionen, etwa Kaffeedegustationen, anbieten.
Weitere Informationen:
Medienstelle Max Havelaar: Regula Weber, Patrizia Derungs, Tel: 044 278 99 05/06 oder r.weber@maxhavelaar.ch resp. p.derungs@maxhavelaar.ch
Medienstelle Label STEP: Roland Hunziker, Reto Aschwanden, Tel: 061 273 41 90/93 oder roland.hunziker@label-step.org resp. reto.aschwanden@label-step.org
Max Havelaar und Label STEP: Zwei Label im Zeichen des fairen Handels
Fachartikel "Ernährungssouveränität und Fairer Handel" von Ueli Ramseier (PDF, 41 KB)
Factsheet "Fairtrade-Produkte aus Indien" (PDF, 40 KB)