Max Havelaar-News: Herr Rieder, vor zwei Jahren haben Sie alle Orangensaftprodukte der renommierten Marke Michel auf Fairtrade umgestellt. Was hat Sie zu diesem Schritt bewogen?
Franz Rieder: Wir wollten unsere Verantwortung gegenüber unseren Lieferanten und Produzenten aktiv wahrnehmen. Indem wir nur noch Orangensaft von zertifizierten Plantagen einsetzen, unterstützen wir nicht nur die Menschen vor Ort, sondern wir sind auch sicher, dass die Umweltvorschriften eingehalten werden.
Wie haben die Kunden auf die Umstellung reagiert? Wie haben sich die Verkäufe seit der Umstellung entwickelt?
Unsere Kunden haben durchwegs positiv auf die Umstellung reagiert. Das Engagement wird geschätzt, und es gelang uns sogar, dank dem Argument Fairtrade neue Kunden zu gewinnen. Dies schlägt sich auch in den Verkäufen nieder. Im Vergleich zum restlichen Michel-Sortiment konnten unsere Fairtrade-Produkte übermässig wachsen.
Wie wirkt sich das Engagement von Rivella konkret im Süden aus?
2008 flossen Fairtrade-Prämiengelder im Wert von 70'000 Schweizer Franken an die Produzentenorganisation ACIPAR im Süden Brasiliens. Rund 260 Arbeiterinnen und Arbeiter profitieren von guten Anstellungsbedingungen. Sie werden fair entlöhnt, bekommen gratis medizinische Versorgung, sie können u.a. Weiterbildungskurse in Landwirtschaft, Buchhaltung oder Nähen/Kunsthandwerk besuchen und haben Zugang zu Mikrokrediten. Die Kinder der Region besuchen gerne die von der Produzentenorganisation angebotenen Computerkurse. Auch die Infrastruktur der Orangenplantage konnte verbessert werden.
Nun trifft man ja die Michel-Säfte oft im Ausserhauskonsum an. Wie kommen die Fairtrade-Säfte im Gastronomiebereich an?
Im harten Konkurrenzumfeld bieten Fairtrade Produkte den Wirten die Möglichkeit sich zu profilieren. Gerade im Portionenbereich, d.h. wenn das Michel-Fläschchen zum Gast auf den Tisch kommt, sind unsere drei Orangensaftprodukte mit dem Gütesiegel Max Havelaar besonders beliebt.
Die Fruchtsaftmarke Michel gibt es schon seit 80 Jahren. Wie hat sich die Marke in dieser Zeit entwickelt? Wie sehen Sie die Zukunft von Michel?
Seit der Übernahme im Jahre 1984 durch die Rivella AG hat sich Michel zu einer bekannten und beliebten Schweizer Fruchtsaftmarke entwickelt. Wir bieten neben einem breiten Standardsortiment auch Spezialitäten, so genannte Functional-Drinks, mit einem konkreten Zusatznutzen für die Konsumenten an. Wir hoffen in Zukunft weitere Aromen unter dem Gütesiegel Max Havelaar anbieten zu können. Voraussetzung dafür sind genügend verfügbare Rohstoffe in der für Michel erforderlichen Top-Qualität.
Interview geführt von Regula Weber, Juni 2009